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Reiseberichte El Salvador - Honduras - Nicaragua

El Salvador, Honduras & Nicaragua (#049)

14. Mai 2023

– Seit einem Jahr auf Reisen –

Wir verlassen Guatemala und erreichen El Salvador. Die Grenzformalitäten sind auf beiden Seiten dieses Mal vollkommen unkompliziert (für mittelamerikanische Verhältnisse) und so haben wir in gut einer Stunde alle Formalitäten erledigt. Samt Sprinti sind wir erneut in einem neuen Land…wir sind in El Salvador.

El Salvador ist mit rund 6,5 Mio. Einwohnern das kleinste Land der Region Zentralamerika, weist aber zugleich deren höchste Bevölkerungsdichte auf. Mit einer Fläche von 21.041 km² ist El Salvador ungefähr so groß wie das Bundesland Hessen und ist geprägt durch eine Kette von Vulkanen. 48 % der Bevölkerung El Salvadors leben unterhalb der Armutsgrenze, dennoch zählten (gemäß einer Umfrage des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstitutes „Gallup“ vom Dezember 2012) die Einwohner des Landes mit zu den glücklichsten Menschen der Welt. Dagegen ergab eine in der Zeitung „La prensa grafica“ veröffentlichte Umfrage aus dem Jahr 2014, dass jeder vierte Salvadorianer, insbesondere wegen der ausufernden Kriminalität, auswandern möchte. El Salvador weist weltweit die höchste Rate gewaltsamer Tötungen auf und liegt dabei seit 2014 vor Honduras. Im Jahr 2015 kamen 105 Menschen pro 100.000 Einwohner durch Tötungsdelikte ums Leben. Zum Vergleich: Die weltweite Rate liegt bei 6,2 pro 100.000. Die Gefahr von Gewaltverbrechen ist überaus hoch, die Hemmschwelle beim Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen ist niedrig. El Salvador hat zudem eine sehr hohe organisierte Bandenkriminalität. Der 2019 ins Amt gekommene Präsident Nayib Bukele erklärte daher den Kampf gegen die Bandenkriminalität zu einem seiner wichtigsten Ziele. Nach anfänglichen Erfolgen und einem Rückgang der Mordrate verhängte er aufgrund neuer Gewalteskalationen im März 2022 den Ausnahmezustand, wodurch Verhaftungen ohne Haftbefehl durchgeführt werden konnten. Bukele setzte auch das Militär für Razzien ein und beschränkte, Menschenrechtsorganisationen zufolge, die Grundrechte. Bis Ende 2022 wurden 58.000 Bandenmitglieder verhaftet.

Diese Kriminalität und auch die anstehende Regenzeit sind u.a. Gründe dafür, warum wir dieses Land sowie auch Honduras und Nicaragua ein wenig schneller bereisen werden.

Also los geht´s!

Als erstes erreichen wir die Stadt Santa Ana, mit rund 227.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt und nach der Hauptstadt San Salvador angeblich auch die zweitwichtigste Stadt des Landes. Wir spazieren ein wenig durch die doch recht kleine Innenstadt und stärken uns mit dem typischen Nationalgericht El Salvadors…Pupusas! Eine Pupusa ist eine Tortilla mit eingebackener Füllung. Die Tortilla besteht aus Maismehl, die Füllung meist aus Bohnenmus, Käse oder einer Mischung aus beidem. Varianten können auch mit Fisch, Huhn, Avocado, Wurst oder Käse samt Schweineschwarte gefüllt sein. Pupusas werden meistens mit „Curtido“, einem eingelegten Krautsalat mit Chili, sowie einer Tomatensoße serviert. Alles klar, das schmeckt schon mal gut!

Nach diesem kurzen Abstecher geht es für uns auch schon weiter. Uns fällt auf, dass die Menschen auch hier wieder anders aussehen als im Land davor…so werden Haut und Haare heller und die Menschen sind um einiges größer als die Guatemalteken. Die Autos wirken moderner, aber generell scheint die Spanne zwischen arm und reich größer zu sein. Die Busse und LKWs allerdings sind immer noch sehr in die Jahre gekommene Exemplare, die unwahrscheinlich laut und weit entfernt von irgendeiner Abgas-Norm sind. Leider finden wir auch hier wieder unwahrscheinlich viel Müll, der in der Natur oder am Straßenrand liegt. Der US-Dollar ist hier übrigens gesetzliches Zahlungsmittel. Der „El-Salvador-Colón“ ist zwar ebenfalls noch gültiges Zahlungsmittel, ist aber kaum noch in Umlauf, da die Währung seit 2001 nicht mehr von der Zentralbank herausgegeben wird. 

Dann erreichen wir den Lago de Coatepeque, ein 24,5 km² großer Kratersee, der zu den schönsten Naturseen Mittelamerikas zählt. Dort können wir auf einem Parkplatz eines Restaurants übernachten, wenn wir im Restaurant etwas verzehren. Alles klar, wird gemacht! Praktischerweise liegt es wie einige andere auch, direkt am See und so genießen wir nicht nur die Aussicht, sondern auch das kleine Lüftchen…ist es doch immer noch über 30 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit, die kaum zu überbieten ist.

Außerdem gibt es noch etwas, worauf es sich anstoßen lässt, so sind wir doch heute seit einem Jahr auf unserer Reise entlang der Panamericana unterwegs. Umso besonderer ist es, dass wir uns bei unserer momentanen Route auch auf der Original-Panamericana befinden, was uns die Dame unseres Navis stets freundlich ansagt.

Ein Jahr auf Reisen…der absolute Wahnsinn!

Was war das für ein Jahr?! Angefangen über Kanada, die USA, Mexiko, Belize, Guatemala und jetzt El Salvador…ganze 50.703 Kilometer und unzählige Abenteuer liegen hinter uns (s. dazu unsere Route)! Wir sind dankbar diese Reise machen zu können und wissen schon jetzt, dass wir Dinge für uns mitnehmen werden, die uns ein Leben lang prägen uns begleiten werden (s. dazu auch Artikel „Auf Langzeitreise… #032“). Seit nun mehr 12 Monaten leben wir auf rund 9 qm, die allerdings so viel größer sind, sobald wir auch nur unsere Tür öffnen. Immer an unserer Seite…Sprinti! Unser treuer Begleiter, dem das Benzin aus den USA nicht so gut getan hat, der uns aber bisher stets über Stock und Stein, auf Meereshöhe oder in die Berge chauffiert hat, der uns bei Kälte warmgehalten und in der Hitze Schatten gespendet hat. Unser rollendes Zuhause, wodurch wir immer und überall ein Dach über dem Kopf hatten und uns immer sicher fühlen konnten. Toi toi toi, dass wir auch die nächsten Länder gut zusammen meistern werden! Bisher hierher schon mal: „Danke, Sprinti!“

Den restlichen Abend verbringen wir dann im Wagen, denn auch in diesem Restaurant gibt ein Sänger wieder alles…er scheint übrigens, was die Qualität seines Gesangs anbelangt, Verwandtschaft in Guatemala zu haben (s. dazu Artikel „Guatemala Teil 2 #048“). Nachdem wir nachts noch von ein paar betrunkenen Jungendlichen geweckt werden, die sich lautstark in unserer Nähe aufhalten und uns einen Badelatschen an den Wagen werfen, bevor sie dann tatsächlich noch mit ihren Motorrädern davon düsen, machen auch wir uns am nächsten Morgen früh auf den Weg. Unser Ziel: Honduras!

Honduras

Auch der Grenzübergang von El Salvador nach Honduras läuft relativ reibungslos vonstatten, wenn man davon absieht, dass nicht immer alles logisch sein muss. Also wäre das auch geschafft…wir sind in Honduras!

Honduras hat rund 9,9 Mio. Einwohner und ist neben Haiti eines der ärmsten Länder Mittelamerikas. Die Elendsviertel der Städte wachsen aufgrund der Landflucht stetig. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze, ein Fünftel sind Analphabeten. Unter- und Fehlernährung sind weit verbreitet und dazu ist die medizinische Versorgung auf dem Land miserabel. Der Anteil der Analphabeten wurde zwar in den Städten auf unter 20 Prozent gesenkt, liegt aber auf dem Land noch immer bei über 50 Prozent. Der schlechte schulische und berufliche Ausbildungsstand der Bevölkerung ist wiederum ein Grund für den Mangel an Fachkräften, der die Entwicklung in allen Gesellschaftsbereichen behindert. Honduras ist daher ein Auswanderungsland, ca. 720.000 Menschen haben das Land bereits verlassen. 600.000 davon leben z.B. in den Vereinigten Staaten, ca. 40.000 in Spanien und ca. 20.000 in Mexiko. Honduras selbst verzeichnet hingegen nur eine sehr geringe Einwanderungsrate. Problematisch sind auch die aus Armut und Hoffnungslosigkeit entstandenen Jugendbanden wie Barrio 18 (auch als „Mara 18“ bekannt) oder Mara salvatrucha, die teilweise ganze Viertel und Städte terrorisieren. Schätzungen gehen davon aus, dass beide rivalisierenden Jugendbanden jeweils bis zu 40.000 Mitglieder haben. Ähnliche Banden sind auch in anderen benachbarten Staaten ein Problem. Die Regierung geht hart dagegen vor. Seit 2003 gibt es bereits ein Gesetz, das allein die Mitgliedschaft in einer Bande mit mindestens drei Jahren Gefängnis bestraft. Weltweit gesehen lag Honduras nach den Zahlen der UNODC im Jahr 2015 bei der weltweit zweithöchsten Zahl an Tötungsdelikten pro Einwohner, nämlich 63,7 je 100.000 (in Deutschland waren es 0,8).

Auch uns fällt schnell auf, dass die Menschen hier wesentlich ärmer sind als in den Ländern zuvor. Gab es dort noch größtenteils Autos oder Tuk Tuks, kommen hier auch Pferde- und Rinderkarren zum Einsatz. Viele Rinder, Ziegen, Schweine oder Pferde grasen übrigens einfach unangebunden am Straßenrand. So sehen wir dort auch ein Pferd, was überfahren worden ist und einmal rennt uns ein kleiner Hundewelpe auf der Suche nach seiner Mutter fast vors Auto.

Was uns ebenfalls auffällt, ist der Müll, der überall herumliegt. Auch in den vorherigen Ländern war dies schon ein trauriger Anblick und leider wird dies hier in Honduras noch einmal übertroffen. So haben wir so manches Mal das Gefühl an Müllhalden vorbei zu fahren, stattdessen ist es aber „nur der normale Straßenrand“. Blinker, Bremslichter oder auch generell Lampen werden an Autos oder LKWs bei uns anscheinend komplett überbewertet…oder vielleicht doch nicht?! Hier stellen wir fest, dass nicht unbedingt jedes Kraftfahrzeug damit ausgestattet ist…was das Fahren für uns nicht unbedingt einfacher macht.

Einmal kommen wir auch in eine Polizeikontrolle, bei der uns schon Böses schwant, man uns aber vom Gegenteil überzeugt. Wir werden sehr freundlich begrüßt, man möchte unsere Ausweise sehen und wir werden gefragt, woher wir denn kommen. Als wir sagen, dass wir aus Deutschland sind, hat sich das auch mit unseren Ausweisen erledigt und wir werden mit einem Lächeln weitergewunken. Man wünscht uns einen schönen Tag und wir dürfen weiterfahren. Ja, sehr schön!

Weil es nahe unserer Route tatsächlich keine Campingplätze gibt, übernachten wir auf einem Parkplatz einer Einkaufsmall, von der wir in der App IOverlander gelesen hatten, dass es dort sicher sein soll. Allerdings sind die Parkbuchten zu klein für Sprinti…und dabei hatten wir uns schon fast an die Parkplätze amerikanischen Ausmaßes gewöhnt. Ein Security Guide bietet uns stattdessen den Schotterplatz daneben an, auf dem wir kostenlos und ohne weiteres für die Nacht stehen dürfen. Dort befindet sich auch ein Wachtürmchen samt eines weiteren Security Guides. Ebenfalls sehr schön!

So haben wir eine ruhige Nacht ohne etwaige Zwischenfälle…allerdings ist es heiß…nachts noch ganze 29 Grad (draußen wohlbemerkt) und es weht kein Lüftchen. Nicht ganz so schön, aber wir wollen uns nicht beschweren! Am nächsten Morgen machen wir uns schon früh wieder auf den Weg…unser nächstes Ziel: Nicaragua!

Nicaragua

Hatte ich erwähnt, dass die letzten Grenzübertritte relativ reibungslos vonstattengegangen sind? In Nicaragua ist alles anders! Hier erhalten wir die volle Dröhnung an Dingen, die keinen Sinn machen, stattdessen aber gesamte Abläufe unnötig in die Länge ziehen. So steht am frühen Morgen bereits eine 4,6 km (ohne Witz!) lange Schlange ausschließlich an LKWs vor der Grenze und alle wollen nach Nicaragua. Weil wir nicht als LKW zählen, fahren wir an der Schlange vorbei bis zum Grenzposten. Dort herrscht das absolute Chaos! Da, wo wir eigentlich hin müssen, lässt man uns nicht hinfahren, stattdessen bittet man uns äußerst unfreundlich auf einer kleinen ungeteerten Ecke mit einer riesen Kante kurz zu parken. Dafür müssen wir wenden, wenden darf man aber nicht. Wir setzen uns darüber hinweg und parken Sprinti letztendlich dort. An anderen Stellen gibt es ebenfalls kein vor und zurück mehr. Dann müssen wir mit unseren Impfpässen zu zwei Damen, die vor einem kleinen Hüttchen sitzen. Sie tragen Arbeitskleidung aus dem Gesundheitsbereich (inklusive Bärchen-Jacke), schauen genervt drein und sind äußerst unfreundlich. Zusätzlich sprechen sie sehr schnell und undeutlich. Als ich ihre Aussagen nicht direkt verstehe, sagt die eine genervt zur anderen: „Oah, die sprechen kein Spanisch!“ Daraufhin antworte ich im fließenden Spanisch, dass wir dieser Sprache doch ein wenig mächtig sind, ernten daraufhin erstaunte Blicke und die Gnade, es doch noch einmal mit uns zu versuchen. Fachmännisch (Vorsicht Ironie!) werden unsere Impfpässe inspiziert und man drückt uns einen Zettel in die Hand, den wir gefälligst auszufüllen haben. Dann dürfen wir weiter. Inzwischen bekommen wir Sprinti kaum noch aus dieser Parkposition befreit und reißen uns bei dieser hohen Kante fast noch den Unterboden auf (also Sprintis 🙂 ).

Dann geht es weiter zur Einreise. Dazu ab ins nächste Gebäude, in dem von fünf Schaltern zwei geöffnet sind bis eine der Damen den zweiten Schalter ebenfalls schließt und erstmal Mittagspause macht. Als wir dann an dem letzten verbliebenen Schalter an der Reihe sind, werden wir von einer unfreundlichen Dame begrüßt und harsch darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns online hätten anmelden müssen. Wir versuchen ihr mit unseren Brocken Spanisch klarzumachen, dass wir dies bereits versucht haben, das Programm allerdings immer abbricht, weil wir keine Person in Nicaragua samt Passnummer angeben können, zu der wir reisen. Die reizende Dame schüttelt daraufhin abschätzig den Kopf, verschwindet eine ganze Weile mit unseren Pässen (somit ist auch der letzte Schalter nicht mehr besetzt) und kehrt dann irgendwann einfach an einen anderen Schalter zurück, um dort die Angelegenheiten anderer Touristen abzuwickeln. Als wir darauf reagieren, erhalten wir die Antwort, dass wir gefälligst einen Moment warten sollen. Nach einiger Zeit ruft uns ein älterer Herr unwirsch zu sich hinten in die Katakomben und füllt irgendetwas in seinem Handy für uns aus. Anschließend gibt er ein paar Unterlagen an eine andere Dame weiter, die unseren Prozess dann abschließt und auf Spanisch über uns lästert…so viel verstehen wir dann immerhin schon! Fällig wird für uns dann eine Gebühr von 26 US-Dollar, wir erhalten allerdings nur eine Quittung über 6 US-Dollar (da weiß man dann auch, dass die Differenz wohl in andere Taschen fließt). Wir sind mittlerweile ziemlich auf 180, versuchen dies allerdings zu verbergen…was Peter definitiv besser gelingt als mir.

Danach muss Sprinti noch ins Land eingeführt werden. Also schickt man uns in einem anderen Gebäude zwischen sämtlichen Schaltern hin und her, an denen entweder mit dem Handy herumgespielt oder sich die Fingernägel lackiert wird. Endlich finden wir dann jemanden, der den Wagen inspiziert…plötzlich stehen wohlgemerkt fünf Leute in und um Sprinti herum. Aber wir erhalten das benötigte Formular, müssen an zwei weiteren Stellen eine Gebühr bezahlen und dürfen dann endlich durch die sogenannte „Fumigation“ („Waschanlage“, in der Sprinti einen Hauch von Desinfektion erhält) fahren.

Dann…endlich…nach fast zwei Stunden (nur auf nicaraguanischer Seite wohlgemerkt) ist es vollbracht und wir sind im Land…wir sind in Nicaragua!

Nicaragua hat rund 6,6 Millionen Einwohner, doch aufgrund der Armut im Land zieht es viele Menschen ins Ausland, wo sie Arbeit suchen. Schätzungen zufolge lebt rund jeder fünfte Bürger Nicaraguas im Ausland, hauptsächlich in Costa Rica und in den USA. Dort leben und arbeiten sie meist illegal und sind durch ihre Überweisungen an Freunde und Verwandte die Hauptdeviseneinbringer des Landes. Nicaragua gehört tatsächlich zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas und gilt als Entwicklungsland. 50 % der Bevölkerung leben in Armut, in der Landbevölkerung steigt dieser Anteil bis auf 70 %. In Lateinamerika ist Nicaragua heute nach Haiti das zweitärmste Land. In einem „Null-Hunger-Programm“ erhalten hunderttausende Schulkinder täglich eine unentgeltliche Mahlzeit. Gesundheitsvorsorge und Bildung sind wieder kostenlos. Um die Abhängigkeit Nicaraguas von Nahrungsmittelimporten zu senken, erhalten kleine und mittlere Produzenten außerdem zu sehr niedrigen Zinsen Ackerland von der Regierung. Die Gründe der schlechten Wirtschaftslage sind vielfältig, neben geschichtlichen Faktoren, einseitiger Wirtschaftsstruktur und jahrzehntelanger Oligarchiewirtschaft spielen auch häufige Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Wirbelstürme eine gewichtige Rolle. Korruption ist ebenfalls ein Problem. Staatspräsident José Daniel Ortega Saavedra kam bei einer umstrittenen Wahl 2006 an die Macht und hält seitdem mit diktatorischen Mitteln an ihr fest. Vizepräsidentin wurde Ortegas Ehefrau Rosario Murillo. Ferner besetzen sieben Kinder des Paares in Nicaragua wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft und den Medien. Aufgrund der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen sanktionieren die EU und die USA Mitglieder der nicaraguanischen Regierung um Ortega. Neben Mali, Eritrea, Nordkorea, Syrien und Belarus unterstützt im Übrigen auch Nicaragua Russland im Krieg gegen die Ukraine.

Auch wir stellen fest, dass die Bewohner hier noch einmal um einiges ärmer sind und viele Menschen und Tiere sind tatsächlich erschreckend abgemagert. Einige Häuser gleichen eher Hütten und vieles passiert auf den Straßen ausschließlich mit Pferde- oder Rinderkarren.

Das gesamte Straßennetz Nicaraguas umfasste 2014 etwa 23.897 km, wovon lediglich 3.346 km asphaltiert sind…eine Straße davon ist tatsächlich „unsere“ Panamericana. Und wie wir so auf dieser Straße durch das Land fahren, passiert plötzlich das…eine Polizeikontrolle! An sich ist das ja kein Problem…es ist ja schließlich nicht unsere Erste! Aber diese gestaltet sich dann doch ein wenig anders…

Wir werden aufgefordert rechts ran zu fahren, dann sollen wir Reisepass, Führerschein und unsere KFZ-Versicherung für Nicaragua vorzeigen. Die nette Dame mit Hut ist dann der Meinung, dass unsere Versicherung nicht richtig ist…das ist sie aber! Wir hatten von derartigen Kontrollen korrupter Polizisten gehört, bei denen es wichtig ist, standhaft zu bleiben. Die Polizistin bittet Peter auszusteigen und geht mit ihm hinter den Wagen, wahrscheinlich weil es einfacher ist eine Person über den Tisch zu ziehen als zwei. Ich bleibe im Auto sitzen, weil aus Sicherheitsgründen nie beide Personen gleichzeitig den Wagen verlassen sollten. Peter bleibt hartnäckig und als die Polizistin merkt, dass sie auf Granit beißt, überlegt sie sich spontan etwas Neues. Jetzt wirft sie uns vor, wir seien über die Mittellinie gefahren…auch das haben wir nicht getan! Dank unserer Dashcam an der Windschutzscheibe, die die gesamte Fahrt über mitfilmt, können wir dies auch belegen. So zeigen wir ihr das Video…sie glaubt uns allerdings nicht und will uns unsere Papiere nicht zurückgeben! Für Mexiko war uns bekannt, dass man nie die Original-Dokumente aus der Hand geben sollte und das haben wir dort auch nie getan. Für Nicaragua hatten wir das irgendwie nicht auf dem Schirm, aber gut, man lernt nie aus! Wir sollen nun Geld bezahlen…1500 Cordoba (37,58 €). Weil wir noch nicht weit von der Grenze weg sind, besitzen wir noch keine Cordoba, zwar haben wir US-Dollar, was auch immer gerne genommen wird, aber das verraten wir nicht. Dann sollen wir Geld in einer Bank einzahlen, ansonsten würde sie unsere Papiere für die nächsten zwei Wochen behalten. Wir sagen ihr, dass wir deutsche Konten hätten, mit denen das in einer nicaraguanischen Bank nicht funktionieren würde, was totaler Quatsch ist, aber wir bleiben hartnäckig und wiederholen erneut, dass wir nichts falsch gemacht haben. Nach einer halben Stunde der Diskussion und des Wartens, erhalten wir die Dokumente dann plötzlich doch zurück und man fordert uns auf gefälligst weiterzufahren. Erst als unsere Fensterscheiben wieder hoch und wir einige hundert Meter weitergefahren sind, stoßen wir aus Erleichterung einen Freundenschrei aus, ärgern uns aber gleichzeitig über diese Vorgehensweise der Polizei, die ganz offensichtlich Betrug ist und wohl dazu dient, das eigene Gehalt ein wenig aufzubessern. Puh, das wäre also geschafft! Wir müssen gestehen, Nicaragua hat sich an unserem ersten Tag nicht von der besten Seite präsentiert.

Aber das Land kann nichts dafür, also weiter geht’s!

Wir erreichen San Jorge, ein kleiner Ort direkt am Lago Cocibolca („Nicaraguasee“). Dort finden wir einen kleinen Campingplatz, der von dem amerikanischen Auswanderer Mike betrieben wird. Hier kann Sprinti auch sicher stehen, als wir am nächsten Tag eine Tour zur Insel Ometepe starten. Diese liegt im Nicaraguasee und ist mit etwa 270 km² weltweit die größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee und somit auch die Größte innerhalb eines Landes. Angeblich ist Ometepe auch die einzige Insel, die zwei Vulkane (Concepción und Maderas) besitzt…sie ist quasi eine Insel mit zwei Bergen. Eine Besonderheit ist zudem die unterschiedliche Art von Sandstränden…zum einen begegnet man schwarzem Sand aus Vulkangestein, zum anderen kann man den typischen Charakter karibischer Sandstrände genießen. Auf Ometepe leben rund 30.000 Menschen und es werden dort vornehmlich Kochbananen, Sesam, Wassermelonen und Tabak angebaut.

Am nächsten Morgen geht es für uns schon früh aufs Boot, dass teilweise einen durchaus diffusen Eindruck macht und uns mit sage und schreibe 17 kmh eine Stunde lang hin zur Insel schippert. Dort leihen wir uns dann ein Quad und erkunden die Gegend. Vorsichtshalber entscheiden wir uns gegen Motorroller (s. dazu Artikel „Das nennt man dann wohl Glück im Unglück #034“)…so kann ich dann während der Fahrt auch das ein oder andere Foto knipsen, auch wenn wir das nur mit äußerster Vorsicht tun, habe ich doch nicht vor auch mein Ersatzhandy zu schrotten. So cruisen wir über die Insel, machen Halt an dem Strand, wo sich schwarzer Sand aus Vulkangestein und weißer Sandstrand treffen, kühlen uns in einem natürlichen Pool, der durch Vulkangestein gefiltertes Wasser gespeist wird, ab und tauchen ein wenig in das Leben auf dieser Insel ein…immer in Sichtweite…mindestens einer der beiden Vulkane. Abends fahren (oder ich sage besser „tuckern“) wir mit dem Boot bei Sonnenuntergang zurück aufs Festland. Das war doch ein gelungener Tagesausflug!

Dann verlassen wir Nicaragua auch schon wieder…allerdings stellt sich auch das Ausreisen an der Grenze um einiges komplizierter dar als bei den Ländern zuvor. Eigentlich interessieren sich die Ausreiseländer weder für uns noch für Sprinti, weil wir das Land ja schließlich verlassen. Hier allerdings zahlen wir schon für das Betreten des Grenzgebäudes eine Gebühr, werden wiederum von einem Schalter zum nächsten geschickt, erhalten erneut nur eine Quittung über 6 US-Dollar, obwohl wir wieder 26 US-Dollar (in den meisten Ländern ist die Ausreise nicht mit Kosten verbunden) bezahlen müssen und man inspiziert tatsächlich ein weiteres Mal unseren Wagen (das ist uns bei einer Ausreise auch noch nicht passiert). Somit dauert allein das Verlassen Nicaraguas fast zwei Stunden und nicht wie sonst teilweise 10 Minuten. Aber nun ja, so ist das halt!

In allen drei Ländern (El Salvador, Honduras und Nicaragua) konnten wir während unserer Reise nur einen ersten Eindruck gewinnen, weil wir sie einfach viel zu kurz besucht haben. Wir sind uns sicher, dass sie noch so viel mehr zu bieten haben!

Auf uns wartet nun Costa Rica, wo wir uns ein wenig mehr Zeit lassen wollen!

Seid also gespannt!

Reiseberichte Guatemala

Guatemala Teil 2 (#048)

7. Mai 2023

– Wir wären gerne länger geblieben –

Als nächstes geht es für uns weiter Richtung Westen…vorbei an der Hauptstadt Guatemala-City bis hin nach Antigua. Auch heute ist wieder einiges los auf den Straßen Guatemalas…so fahren wir durch die Berge und stehen bei Temperaturen um die 40 Grad ziemlich lange im Stau, als an zwei Stellen jeweils ein LKW umgekippt ist und die Straße versperrt. Der Stau wird von vielen Händlern genutzt, die ihre Waren nun zwischen den Autos mitten auf der Straße verkaufen. Das ist ein gar nicht mal so ungefährliches Unterfangen, flitzen doch immer mal wieder auch Motorräder durch die engen Gassen oder Fahrzeuge versuchen wild die Spur zu wechseln. Apropos „Gassen“…an eine Rettungsgasse ist hier übrigens überhaupt nicht zu denken, stehen doch alle ein wenig kreuz und quer, so dass der Krankenwagen letztendlich die Gegenfahrbahn benutzen muss. Peter und ich staunen auch nicht schlecht, als wir in einem ganz normalen PKW neben uns tatsächlich 11 Insassen zählen (s. Foto Nr. 1)…fünf vorne (je ein Kind unangeschnallt auf dem Schoß des Fahrers und des Beifahrers, eine Person sitzt quasi auf der Handbremse, denn einen Sitz in der Mitte vorne gibt es nicht) und sechs Personen sitzen hinten (drei Leute haben jeweils ein Kind, ebenfalls unangeschnallt, auf dem Schoß). Passt doch… 🙂 !

Dann erreichen wir Antigua. Antigua ist eine von Vulkanen umgebene Kleinstadt (ca. 35.000 Einwohner) im Süden Guatemalas, die für ihre Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit bekannt ist. Vom 16.-18. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Mittelamerikas, das Mexiko-Stadt oder Lima (Peru) in nichts nachstand. Erdbeben richteten im Laufe der Zeit allerdings mehrmals schwere Schäden an, doch blieben die negativen Auswirkungen auf die städtebauliche Entwicklung nur von kurzer Dauer. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Antigua mehr als 50.000 Einwohner, über 50 Kirchen und Kapellen, Krankenhäuser, Schulen, eine Druckerei und auch eine Hochschule. Im Jahr 1773 wurde Antigua dann durch ein weiteres schweres Erdbeben völlig zerstört. Obwohl es als Stadt nie aufgegeben wurde, erholte es sich davon jedoch nur sehr langsam. Bevor Antigua dann im Jahr 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, richtete 1976 ein weiteres Erdbeben in Antigua, wie auch in anderen Städten Guatemalas, erneut schwere Schäden an. Zahlreiche Ruinen erinnern noch heute an die verschiedenen Naturkatastrophen, die die Stadt im Laufe der Zeit heimgesucht haben.

Diesen Ort wollen wir uns daher mal genauer anschauen! Sofort fällt uns auf, welchen Charme diese Stadt versprüht, so sind die Straßen mit altem und unebenem Kopfsteinpflaster versehen (die sogenannten Bodenschwellen gibt es allerdings auch hier), die Häuser sind bunt und viele alte Gebäude und Ruinen prägen das Stadtbild. Wir erwischen mitten in der Stadt einen schönen und gepflegten Campingplatz (Verde Eventos), dessen Areal am Wochenende oft als Location für Hochzeiten genutzt wird und könnnen so alles fußläufig erreichen…sehr gut! Direkt neben unserem Stellplatz befindet sich auch schon die erste Ruine. Es handelt sich dabei um „La Recolección“ , ein Kloster, in dem um 1700 einige sehr arme Missionare lebten. Heute ist nur noch eine Ruine übrig… zugegebenermaßen eine, die mir besonders gut gefällt.

Dann geht es für uns weiter durch dieses niedliche Städtchen und wir finden wirklich Gefallen an den kleinen Gassen, den alten Häusern, den schönen Kirchen und den Menschen, die hier ihrem Alltag nachgehen. So sehen wir Frauen und Männer, die am Straßenrand inmitten von Holzbergen Feuerholz hacken und Holzkohle herstellen. Die meisten Frauen tragen zudem traditionelle bunte Kleidung und viele verkaufen ihre Waren in kleinen Läden oder auf der Straße. Auch sehen wir, wie Frauen oft Dinge auf dem Kopf transportieren, als wäre es das Normalste der Welt…was es hier wahrscheinlich auch ist. Es ist kurz nach Ostern und so entdecken wir hinter alten Mauern noch „Überbleibsel“ der heiligen Woche („Semana Santa“) in Form von religiösen Figuren, die für die Prozession verwendet werden. Ganz Antigua ist in der Semana Santa mit Blumen und bunten Verzierungen geschmückt. Für die Semana Santa sind wir zwar ein wenig zu spät dran, aber dafür werden wir Zeuge anderer religiöser Feierlichkeiten. Und immer wieder entdecken wir ringsum die Vulkane, die die Stadt umgeben…was ein beeindruckenes Bild!

Dann erreichen wir die nächste Ruine. Wie auch schon bei der ersten, handelt es sich hierbei ebenfalls um ein altes Kloster, in diesem Fall um das Kloster der „Heiligen Klara“. Es wurde ab 1700 von Nonnen des zweiten Franziskanerordens oder armen Schwestern der heiligen Klara bewohnt, bevor es ebenfalls den zahlreichen Erdbeben zum Opfer fiel.

Bevor wir nun die nächste Ruine erkunden, ist erstmal eine kleine Stärkung angesagt und so landen wir auf einer Dachterrasse einer kleinen lokalen Brauerei („Antigua Brewing“). Dort weht bei der Hitze ein kleines Lüftchen und so lassen wir uns bei einer kleinen Bierprobe das Kaltgetränk schmecken.

Dann ist wieder Ruinen-Erkundung angesagt…dieses Mal handelt es sich ebenfalls um ein altes Kloster, genauer gesagt, ein altes Kapuziner-Kloster, in dem seit 1728 dreißig Nonnen aus Madrid lebten. Wir sehen viele kleine Kammern, ausgehend von einem runden Vorplatz, in denen sich die Nonnen aufhalten und schlafen konnten. Bei dem Erdbeben 1773 wurde auch dieses Gebäude stark beschädigt und konnte seitdem nicht mehr als Kloster genutzt werden.

Nach so viel Erkundung macht sich dann doch mal ein kleines Hüngerchen breit und so landen wir in einer Art „Open Air-Restaurant“ („El Bosque“) inmitten einer großen Gartenanlage, in der Menschen flanieren und kleinen Freizeitaktivitäten nachgehen. Das gefällt uns…und das Essen schmeckt auch köstlich 🙂 .

Bevor wir am nächsten Tag Antigua verlassen, machen wir noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, der einen fantastischen Blick auf die Stadt und die umliegenden Vulkane „De Agua“, „Acatenango“ und „De Fuego“ bietet. Letzterer spuckt dann sogar Asche und Rauchwolken steigen auf, ausgerechnet als wir an der Aussichtsplattform stehen.

Dann lassen wir Antigua hinter uns und fahren durch die Berge Richtung Westen (s. dazu auch unsere Route)…und dabei sind wir auf einer Straße unterwegs mit keinem geringeren Namen als „Pan American Highway“…unsere Panamericana…da ist sie wieder! Auch heute erleben wir auf den Straßen und in den Dörfern, die wir durchqueren wieder allerhand…