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Reiseberichte

Reiseberichte Argentinien

Unsere Reise geht zu Ende (#085)

26. Mai 2024

– Wir kommen nach Hause –

Nachdem wir Sprinti in Montevideo in den Container verfrachtet haben, geht es für Peter und mich noch einmal via Schiff nach Buenos Aires. Uns bleiben noch ein paar Tage in Argentiniens Hauptstadt bevor auch für uns die Reise zu Ende geht und wir mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland fliegen. Wir haben uns wieder in ein Airbnb eingebucht, denn es gibt tatsächlich noch viele organisatorische Dinge, die es vor unserer Rückkehr zu erledigen gilt. Anders als bei einem Urlaub von dem man zurückkehrt, ist es bei einer Langzeitreise doch etwas aufwendiger (s. dazu auch Artikel „Auf Langzeitreise…#032“). So benötigen wir einen Wohnsitz bzw. eine Meldeadresse in Deutschland, dann müssen sämtliche Dinge für das Arbeitsamt eingestellt und erledigt werden. In den letzten zwei Jahren besaßen wir außerdem eine Auslandsreisekrankenversicherung, die nun erlischt…wir benötigen also mit dem ersten Fuß auf deutschem Boden wieder eine Krankenversicherung. Zudem müssen unsere Handyverträge und SIM-Karten wieder angepasst werden. Sprinti, der während unserer Reise in Deutschland nur eine Haftpflichtversicherung besaß, braucht nun wieder eine Kaskoversicherung. Außerdem benötigen wir auf kurz oder lang neben Sprinti auch einen PKW in Deutschland, um mobil zu sein. Wie der Zufall es so will, können wir das Auto von unserem Schwager übernehmen. Somit ist auch dafür eine Versicherung und ein Termin beim Straßenverkehrsamt nötig, wobei letzteres momentan gar nicht leicht zu bekommen ist. Also bedarf es einiges an Recherche, Anträge werden gestellt, Versicherungen verglichen und Telefonate mit deutschen Behörden geführt, was aufgrund der Zeitverschiebung auch gar nicht immer so einfach ist.

Neben all diesen Erledigungen wollen wir allerdings auch nicht vergessen, dass wir aktuell in Buenos Aires sind. Bei unserem letzten Besuch haben wir die Stadt bereits erkundet (s. dazu Artikel „Buenos Aires #083“) und somit fällt alles was wir nun hier erleben unter die Kategorie „Bonus“. Und so schlendern wir an einem Vormittag durch unsere Viertel „Palermo Hollywood“, was an sich schon ein lustiger Name ist, wie ich finde. Und so kommen wir auch an dem Restaurant Don Julio vorbei, was zu den besten Restaurants Südamerikas gehört und bei dem wir bei unserem letzten Besuch keinen Tisch mehr bekommen haben. Also versuchen wir es an diesem Vormittag erneut, denn sicherlich ist mittags weniger los als abends. Und wir haben Glück, wir erhalten einen Tisch für 15.30 Uhr…perfekt! Und so laufen wir weiter durch die Straßen von Buenos Aires und genießen das schöne Wetter.

Zu 15.30 Uhr stehen wir dann mit knurrendem Magen wieder vorm Don Julio und bekommen einen Tisch auf der Außenterrasse zugewiesen. Dort läuft alles etwas legerer ab, also genau das Passende für uns. Don Julio ist ein familiengeführtes Restaurant, was im 19. Jahrhundert als kleiner Grill an der Straßenecke gestartet ist und heute einen Michelin-Stern besitzt. Wir sind also gespannt!

Don Julio steht (typisch argentinisch) für gutes Fleisch…vornehmlisch Steak. Schon beim Blick auf die Karte, sehen wir in was für einem Restaurant wir sind, denn natürlich spiegelt sich der Michelin-Stern auch in den Preisen wieder. So kostet das teuerste Stück Fleisch rund 88 Euro und eine Flasche Wein bekommt man für 800 Euro. Glücklicherweise gibt die Speisekarte auch eine etwas niedrigere Preisklasse her, dennoch teilen wir uns unser Glas Wein dann seeehr gut ein. Sowohl das Essen, als auch die Getränke fallen dann unter das Prädikat „köstlich“…einfach der Hammer, sage ich Euch! Und irgendwie auch ein krönender Abschluss unserer Reise.

Jetzt ist es schon einige Tage her, dass wir uns von Sprinti verabschiedet haben und er in seinem Container auf das Schiff „Cap San Sounio“ geladen wurde (s. dazu Artikel „Sprinti macht sich auf den Heimweg…#084“). Quasi täglich schauen wir auf unseren Handys (vesselfinder.com) nach, wo sich Container und Schiff aktuell befinden. Der Container ist noch immer auf der Cap San Sounio…sehr gut! Das Schiff hat sich bereits auf den Weg gemacht und den Hafen von Montevideo verlassen…ebenfalls sehr gut! Aber wir staunen nicht schlecht, als die Cap San Sounio samt Sprinti plötzlich in den Hafen von Buenos Aires einläuft…von diesem Zwischenstopp hatte man uns nämlich nichts erzählt. Leider ist das gesamte Hafengelände riesig groß und darf zudem nicht betreten werden, so dass wir keinen Blick auf das Schiff erhaschen können. Aber letztendlich ändert es ja auch nichts. Wir hoffen einfach, dass die Cap San Sounio mit all ihren Containern heil über den Atlantik kommt und wir Sprinti in etwa 30 Tagen in Hamburg in Empfang nehmen können.

Photo by Jorne Weber

Dann ist auch unser letzter Tag der Reise gekommen. So packen wir ein letztes Mal unsere Rucksäcke und lassen die vergangenen zwei Jahren noch einmal Revue passieren. So fällt auch unsere Entscheidung für unser finales Abendessen hier in Buenos Aires auf mexikanische Tacos, die wir in Mexiko echt lieben gelernt haben.

Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Wir verlassen unser Airbnb und ab geht es mit Sack und Pack zum Flughafen von Buenos Aires. Mit der italienischen Fluglinie ITA fliegen wir 13 Stunden bis nach Rom, von dort aus weiter bis nach Frankfurt und letztendlich mit der Lufthansa dann weiter bis zum Flughafen Münster/Osnabrück. Da zum Zeitpunkt unserer Rückreisebuchung ein Bahnstreik den nächsten jagte, haben wir uns auch bei unserer letzten Etappe für einen Flug entschieden…nichtsahnend, dass kurze Zeit später die Lufthansa ihre Arbeit niederlegt.

Wir hoffen also an diesem Tag, dass alles glatt gehen wird. Da Peter mit seinen 1,98 m ja eher zu der etwas größeren Sorte Mensch gehört, haben wir Sitze mit mehr Beinfreiheit gebucht und finden uns somit am Notausgang und direkt vor den Toiletten wieder. Im Laufe des Fluges stellt sich dann heraus, dass vorbei an unseren Sitzen reger Verkehr herrscht, wir immer wieder angerempelt werden und sich Passagiere auch gerne bei uns an Bein, Schulter oder Bildschirm abstützen, wenn sie drohen ihr Gleichgewicht zu verlieren. Was zudem sehr merkwürdig ist, dass ITA auf unserem ersten Flug bereits mittags die Innenbeleuchtung ausstellt und darum bittet die Sonnenblenden zu schließen. So sitzen wir ganze 13 Stunden im Dunkeln, obwohl mindestens 6 davon helligster Tag sind. Dadurch kommen wir irgendwie nicht wirklich in den Schlaf, aber das ist dann halt mal so!

Dann ist es soweit…nach 723 Tagen (abgesehen von unserem zweiwöchigen Heimaturlaub) betreten wir wieder deutschen Boden…wir sind wieder zu Hause!

Am Flughafen werden wir von Familie und einigen Freunden begrüßt und freuen uns total darüber!

Jetzt heißt es erstmal „Ankommen“! Noch immer gibt es einiges zu organisieren und zu erledigen. Freunde und Familie wiederzusehen steht natürlich auch auf dem Programm und wir freuen uns sehr alle wieder in die Arme schließen zu können. War doch bei unserem Abflug vor zwei Jahren noch Covid ein großes Thema.

Und so vergehen die ersten Tage und Wochen wie im Fluge und man kann bei uns definitiv noch nicht von einem geregelten Alltag sprechen. Bei Vesselfinder sehen wir, dass auch die Cap San Sounio immer näher kommt und nach einigen Stopps in Brasilien auch den Atlantik bereits überquert hat. Nach weiteren Stopps in Marokko, Rotterdam und Thames (London) ist es dann soweit…die Cap San Sounio erreicht nach 29 Tagen Deutschland und damit den Hamburger Hafen…mit an Bord Sprinti…das wollen wir zumindest mal hoffen!

Nun heißt es sich noch ein paar Tage zu gedulden, denn wir haben noch kein „Go“ von der Verschiffungsfirma für die Abholung. Zuerst muss der Container vom Schiff geladen werden und dann benötigen wir einen Termin für den Zoll und einen für die Öffnung und damit auch für die Entladung des Containers. Um beides kümmert sich die deutsche Verschiffungsfirma (Overlander Shipping). Durch die derzeitigen Feiertage verschiebt sich der ganze Prozess noch einmal. Zeitlich haben wir damit jetzt gar nicht so einen Stress, aber jeder weitere Tag, an dem sich Sprinti länger auf dem Hafengelände aufhält, kostet uns bares Geld. Derzeit werden 99% der aus Südamerika ankommenden Container vom Zoll gescannt und dadurch auf eventuelle Drogen, Waffen oder andere Gefahrstoffe kontrolliert. Und wie der Zufall es so will, beraten sich am Tag von Sprintis Ankunft sämtliche Innenminister Europas darüber, wie man die illegale Drogeneinfuhr via Schiff aus Südamerika eindämmen kann. Und wo tun sie das? Genau…in Hamburg! Mit Sprinti kommen zwei weitere Container mit Reisefahrzeugen auf der Cap San Sounio aus Montvideo an. Sehr zur Verwunderung unserer Verschiffungsfirma muss nur einer dieser Container gescannt und damit durchleuchtet werden. Und welcher ist das? Genau…Sprintis! Somit verzögert sich die Abholung erneut ein wenig. Tags drauf bekommen wir dann aber endlich das sogenannte „Go“ und dürfen Sprinti in Hamburg aus dem Container holen. Rein zufällig muss auch mein Cousin an diesem Tag beruflich nach Hamburg und kann uns daher mitnehmen…sehr praktisch! Danke Timo!

Mitten auf der Autobahn erhalte ich dann einen Anruf von Ricardo (Verschiffungsfirma), der eine gute und eine schlechte Nachricht für uns hat. Die Schlechte ist, dass der Zoll unseren Container bereits ohne uns geöffnet hat, weil beim Scannen etwas Verdächtiges entdeckt wurde. Sofort ist Peter und mir klar, was das nur sein kann…die „Breckies“ für unsere Trockentrenntoilette! Dabei handelt es sich um vier kleine Pakete mit Kokosfasern, die von Form und Größe tatsächlich Ähnlichkeit mit einem Kokainpäckchen haben können. Daher hatten wir sie extra nicht versteckt, sondern ziemlich offensichtlich in unseren Gaskasten gelegt. Auch Scherze haben wir zuhauf über unsere Päckchen gemacht und müssen daher nun umso mehr schmunzeln, für welch ein Aufsehen unsere Kokosfasern beim Zoll gesorgt haben müssen.

Das heißt also der Container und auch Sprinti wurden bereits vom Zoll geöffnet…da wären wir ja gerne dabei gewesen! Das ist also die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist aber dann, dass es nichts weiter zu beanstanden gab und alle Zoll- und Einreiseformalitäten bereits erledigt sind. Wir brauchen Sprinti also nur noch aus dem Container holen und dürfen uns dann direkt auf den Nachhauseweg machen. Apropos „nichts zu beanstanden“…auch hier fällt uns ein Stein vom Herzen, dass man uns bzw. Sprinti nicht noch etwas untergejubelt hat, als er eine Nacht alleine am Hafen von Montevideo stand. Das sind nämlich durchaus gängige Vorgehensweisen einiger Schmuggler. Also haben wir hier ebenfalls Glück gehabt! 🙂

Dann erreichen wir den Hamburger Hafen und damit auch das Gelände unserer Verschiffungsfirma, auf dem lediglich zwei Container stehen. Der eine ist geöffnet und wird gerade mit zwei Reisefahrzeugen beladen. Davor stehen drei durchaus nervöse Leute, die ganz offensichtlich die Besitzer der Fahrzeuge sind. Sie erzählen uns, dass ihre Autos nun nach Halifax verschifft werden und damit ihre Reise auf der Panamericana beginnt. Wir fühlen uns direkt zwei Jahre zurückversetzt und wissen noch genau, wie nervös wir vor der ersten Verschiffung waren.

Direkt daneben steht ein zweiter Container, dieser allerdings verschlossen. Groß prangen die Buchstaben der Firma „Maersk“ auf den Seitenwänden des Containers…das muss unser sein! Da drin ist Sprinti!

Und dann ist es soweit…wir dürfen den Container öffnen und Sprinti „in Empfang nehmen“…yippieh!

Jetzt heißt es also nur noch Sprinti auch heile aus dem Container herauszubekommen. Bereits beim Beladen des Containers in Montevideo war das ja schon eine sehr knappe Geschichte…gerade was Sprintis Höhe anbetrifft (s. dazu ebenfalls Artikel „Sprinti macht sich auf den Heimweg…#084“)! Hier ergibt sich nun das Problem, dass die Rampe vor dem Container vorne eine kleine Erhebung hat, so dass die Gefahr besteht, dass Sprinti mit unserem Solarpanel schön an der Decke entlangschrammt. Während der Hafenmitarbeiter die Gurte löst, klettert Peter durch Sprintis Hintertüren in den Fahrerbereich und schließt die Starterbatterie wieder an.

Dann kann es losgehen…welcome back, Sprinti!

Das wäre also schonmal geschafft! Jetzt heißt es nur noch Sprintis Reifen wieder aufzupumpen, die ja in Montevideo abgelassen wurden, damit er in den Container passt. Wir checken innen und außen ob Sprinti die vier Wochen im Container gut überstanden hat. Alles sieht einwandfrei aus…unsere aufgestellten Entfeuchter haben ganze Arbeit geleistet und selbst unsere Kokos-Breckies hat man uns gelassen. Womöglich hatten die Zollbeamten sich schon über einen erfolgreichen Drogenfund gefreut und dann war die Enttäuschung groß…nur Toilettenbreckies! Als die Reifen wieder aufgepumpt sind, führt uns unser erster Weg zur Tankstelle…endlich wieder deutsches Benzin! Dann geht es für uns ab nach Hause!

Das war sie dann also unsere Reise…ganze zwei Jahre absolutes Abenteuer! Die Panamericana von Alaska bis Feuerland!

723 Tage, 81.659 Kilometer, drei Kontinente (Nord- und Südamerika plus Antarktis), 20 Länder und 50 Stempel mehr in unserem Reisepass! Wir waren bei den Inuits (die sich zum Teil auch selbst Eskiomos nennen) am Polarmeer, sind in Kanada und den USA Bären und Bisonherden begegnet, sind dreimal mit Sprinti liegengeblieben und mussten in der Einöde abgeschleppt werden, haben in Mexiko unseren Tauchschein gemacht und sind mit Wahlhaien im offenen Meer geschwommen, haben in Belize unsere Fortgeschrittenen-Tauchlizenz erhalten und haben uns Haie unter Wasser aus der Nähe angeschaut. Auch haben wir die Kulturen der Mayas und Incas kennengelernt und verschiedene Weltwunder besucht. Wir sind bei einem Orkan durch die Karibik gesegelt, haben Vulkane und Berge bestiegen, sind auf 5100 m Höhe gewandert und sind mit einer kleinen Propellermaschine über die Nazca-Linien geflogen. Wir haben neben dem Äquator auch den nördlichen und südlichen Wendekreis überquert, waren in der Atacamawüste und damit in der trockensten Gegend der Erde, wurden in den Tropen von Brüllaffen geweckt, haben neben Bananenstauden und unter Mango- und Avocado-Bäumen übernachtet und sind so oft von Mosquitos gestochen worden wie noch nie zuvor in unserem Leben. Wir sind Menschen aus über 40 Nationen begegnet und haben ihre unterschiedlichsten Kulturen und Lebensmodelle kennengelernt. Wir waren auf einer ecuadorianischen Hochzeit und haben die einzigartige Tierwelt von Galapagos erlebt. Wir waren in der südlichsten Stadt der Welt und haben in der Antarktis den kältesten, trockensten und windigsten Kontinent der Erde kennengelernt. Ich könnte noch stundenlang so weiterschreiben, weil es einfach so faszinierend, herausfordernd und besonders war, dass es sich auch nur schwer in Worte fassen lässt.

Besonders gefreut hat es uns, dass auch Ihr immer mit dabei wart auf unserer Reise und mitgelesen und mitgefiebert habt. Über 25.000 Mal wurde unser Blog in den letzten zwei Jahren aufgerufen und unzählige Kommentare mit lieben Worten habt Ihr hinterlassen (eine Medaille für die meisten Kommentare geht dabei an Karin und Wolfgang 🙂 ). Wir wissen noch nicht, ob und wie es mit diesem Blog weitergehen wird, aber wenn es etwas Neues geben sollte, dann werdet Ihr es hier automatisch erfahren.

Abschließend gilt es zu sagen, dass wir voller Dankbarkeit zurückblicken auf so eine tolle und einzigartige Zeit und müssen uns so manches Mal kneifen, dass wir das wirklich alles erlebt haben.

Niemals werden wir unser kleines Abenteuer vergessen…damals…zwei Jahre mit Sprinti…auf der Panamericana…von Alaska bis Feuerland!

Reiseberichte Uruguay

Sprinti macht sich auf den Heimweg… (#084)

12. Mai 2024

– …und wir erkunden Montevideo –

Nachdem wir Buenos Aires verlassen und die letzten Tage am Strand von Uruguay verbracht haben, ist es nun an der Zeit alles für unsere Heimreise vorzubereiten. Nun ist es also soweit, nach zwei Jahren unterwegs in den Amerikas (Nord-, Mittel- und Südamerika) neigt sich unsere Reise tatsächlich dem Ende entgegen. Für Peter und mich fühlt es sich tatsächlich merkwürdig an…einerseits können das doch niemals zwei Jahre gewesen sein, die wir nun unterwegs sind, andererseits liegt der Beginn unserer Reise in Halifax (Kanada) auch schon so weit zurück, weil dazwischen einfach unwahrscheinlich viel passiert ist. Aber wir sind sehr dankbar für dieses unglaubliche Abenteuer!

Um Sprinti nun für den Container vorzubereiten, machen wir uns auf den Weg zu dem Campingplatz des holländischen Auswandererpärchens Marieke und Jan, bei denen wir schon vor ein paar Wochen zu Gast waren. Hier haben wir den Platz und die Möglichkeiten Sprinti „reisefertig“ zu machen. Sprinti wird nämlich ohne uns mit dem Schiff von Montevideo zurück nach Europa, genauergesagt nach Hamburg, zurückkehren. Dazu werden wir ihn in Uruguays Hauptstadt am Hafen in einen Container verladen, der dann mit einem Kran auf das 333 Meter lange Container-Schiff „Cap San Sounio“ verfrachtet wird.

Photo by Jorne Weber

Unser Container ist ein 40 Fuß High Cube Container, d.h. einer der größten, die man so bekommen kann. Dennoch wird es für Sprinti mal wieder eine knappe Kiste, denn die Tür- und damit Durchfahrtshöhe ist entscheidend. Die liegt bei 2,33m x 2,58m (BxH). Sprinti misst allerdings eine Breite von 2,16 m (mit eingeklappten Außenspiegeln) und eine Höhe von 3 m. Ihr seht, da muss oben noch einiges weg! Wie auch schon bei unserer Verschiffung von Panama nach Kolumbien (s. dazu Artikel „Wie kommen wir nach Südamerika? #055“) heißt es für uns, die Dachkiste, die Dachluken, der Lüftungspilz und die Markise müssen abgebaut werden und zusätzlich werden wir mit abgelassenen Reifen in den Container einfahren müssen…und selbst dann bleibt uns gerade mal ein Zentimeter Luft. Also alles seeehhr knapp!

Bei Jan und Marieke angekommen, treffen wir auch einige holländische Gäste wieder, die wir zum Teil schon bei unserem letzten Aufenthalt hier kennengelernt haben. Leider spielt das Wetter nicht ganz so mit…regnet es doch immer und immer wieder, was ziemlich ungünstig ist, müssen wir doch die Dachluken abbauen. Also kümmern wir uns erst einmal um alles, was wir im Wagen schonmal erledigen können. Dazu gehört auch unsere Kleidung zu sortieren…was davon benötigen wir noch bis zu unserer Abreise, welche Kleidungsstücke dann in den nächsten vier Wochen in Deutschland und welche Klamotten bleiben in Sprinti? Für unseren Rückflug haben wir zudem nur Handgepäck gebucht, was es besonders bei dem Thema „Flüssigkeiten“ auch nicht gerade einfacher macht. Wir sortieren auch unsere Lebensmittel, denn längst nicht alles darf im Continer mit auf die Reise und verkochen anschließend unsere letzten Vorräte. Unsere zwei kanadischen Gasflaschen verschenken wir an Jan, denn um diese im Container mittransportieren zu dürfen, müssen sie komplett entleert sein und man benötigt ein spezielles Dokument, was dies auch belegt. Das zu bekommen, kostet Zeit und Geld und daher sparen wir uns das einfach. Zu Hause warten eh noch unsere zwei deutschen Gasflaschen mit den richtigen Anschlüssen auf uns. Unsere Wasser- und Abwassertanks müssen während der Überfahrt ebenfalls komplett entleert, der Benzintank darf maximal ein Viertel gefüllt sein. Zusätzlich säubern wir alles, was irgendwie anfällig sein könnte und stellen vorsichtshalber sechs Entfeuchter im Innenraum auf, damit es die circa fünf Wochen im nur geringfügig belüfteten Container nicht zu Schimmelproblemen kommt.

In einer kurzen Regenpause starten wir dann mit dem Abbau der Dachutensilien. Der wichtigste Part dabei ist, dass wir die Dachluken auch ohne Deckel wieder so verschlossen bekommen, dass es uns nicht reinregnet. Unsere Konstruktion aus Pappe, Folie und jeder Menge Tapeband hat sich auch schon bei der Verschiffung von Panama nach Kolumbien bewährt, also wissen wir jetzt, wie es funktionert…hoffentlich! Zeitaufwendig und wackelig auf unseren Leitern ist das Ganze dennoch, schließlich ist es nicht nur regnerisch, sondern auch extrem windig an diesem Tag…in Uruguay.

Nach getaner Arbeit sitzen wir dann auf ein Weinchen mit den Anderen zusammen, quatschen, lachen und genießen unseren letzten Abend mit Sprinti auf dieser wundervollen Reise.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh wieder auf den Beinen, denn heute geht es für uns zum Hafen nach Montevideo, wo wir Sprinti abgeben müssen. Unsere Containerbeladung verschiebt sich derweil um einen Tag, aber man bietet uns an Sprinti sicher („hoffentlich“) auf dem Hafengelände zu parken. In Sprinti ist alles gut verstaut, die Markise ist rutschsicher untergebracht, unsere Rucksäcke sind gepackt, der Kühlschrank ist aus und über Nacht hat unsere Konstruktion für die Dachluken gut gehalten…also ab nach Montvideo!

Nach rund einer Stunde erreichen wir Uruguays Hauptstadt. Nah am Hafen, in Montevideos Altstadt, haben wir unser Hotel für die nächsten Tage gebucht. Da nur der Halter des Fahrzeugs mit auf das Hafengelände darf, ist unser Plan, dass Peter mich mit Sack und Pack am Hotel absetzt und allein weiter zum Hafen fährt. Doch so ganz geht unser Plan nicht auf, als die direkte Zufahrtsstraße aufgrund einer Baustelle gesperrt ist. So kurven wir durch die engen Gassen der Altstadt und verzweifeln an all den Einbahnstraßen…die Zeit rennt! Also mal wieder Planänderung! Kurzerhand springe ich voll bepackt aus dem Wagen und laufe zum Hotel, durchaus mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, weil ich ja sämtliche Wertsachen, die sonst ja immer sicher in Sprinti verstaut sind, dabei habe. Mit so vielen Taschen auf dem Rücken, an den Schultern oder in den Händen wäre es so gar nicht so leicht einen eventuellen Dieb in die Flucht zu schlagen. Aber ich erreiche ohne weitere Vorkommnisse das Hotel und checke schonmal ein.

Peter erreicht derweil das Hafengelände und trifft dort auf Juan Pablo von Wave Logistics (einem Subunternehmer unserer panamaischen Freunde der Overland Embassy), der die Verschiffung auf der urugayischen Seite für uns abwickelt. Wie auch bei unseren bisherigen Grenzübergängen muss am Zoll als erstes unser TIP-Dokument (Temporary Import Papers) abgegeben werden, was bestätigt, dass Sprinti nun aus Uruguay ausgereist ist. Alles weitere in Sachen Containerverladung wird dann morgen passieren. Somit parkt Peter Sprinti auf dem Hafengelände und gibt den Autoschlüssel an den Hafenmitarbeiter…was ehrlich gesagt immer ein merkwürdiges Gefühl ist…das Auto samt Schlüssel einfach so abzugeben.

In der Nacht regnet es dann noch einmal ordentlich und wir hoffen inständig, dass unsere Dachlukenkontruktionen dicht halten! Uns bleibt nichts anderes übrig als die Daumen zu drücken!

Am nächsten Tag ist es dann soweit…Sprinti kommt in den Container! Wieder darf nur Peter auf das Hafengelände, während ich im Hotel warte und hoffe, dass alles glatt läuft. Es bleibt uns nur ein ziemlich knappes Zeitfenster, in denen die Beladung stattfindet, denn gerade hier am Hafen, an dem tagtäglich in die ganze Welt verschifft wird, merkt man „Zeit ist Geld“! Schnell checkt Peter Sprintis Innenraum und zum Glück scheint alles trocken geblieben zu sein…unsere Konstruktion hat gehalten 🙂 ! Nun ist die Verladung angesagt. Alle Mitarbeiter sind sehr freundlich und helfen tatkräftig mit, Sprinti gut in den Container zu bekommen. Sprintis Reifen werden auf 0,5 bar abgelassen, um weiter an Höhe einzusparen. In den Wochen zuvor haben wir über die Verschiffungsfirmen eine Rampe besorgenl lassen, die möglichst seicht ist, so dass Sprinti leicht und ohne viel Gewackel in den Container einfahren kann, denn jeder Ausschlag nach oben bedeutet, dass wir an den Container stoßen. Die Rampe ist da, der Container ist da…es kann also losgehen! Juan Pablo filmt das Ganze, während Peter Sprinti in den Container fährt. Ob’s erfolgreich war…seht selbst!

Das wäre also geschafft…Sprinti ist im Container…und so wie es aussieht auch ohne Macken! Jetzt heißt es für Peter nur noch die Starter- und Verbraucherbatterie abzuklemmen und über die Hecktür aus dem Wagen zu klettern. Sprinti wird von den Hafenarbeitern noch ordentlich am Boden befestigt (wie die Mitarbeiter sich von vorne an Sprinti vorbeigequetscht haben ist uns dabei noch immer schleierhaft), die Containertüren werden verschlossen und verplombt und dann war’s das auch schon! Wie Ihr seht, haben wir trotz intensiver Suche keinen passenden „Container Buddy“ (ein weiteres Fahrzeug, mit dem wir uns den Container hätten teilen können) für Sprinti mehr gefunden, was bei Sprintis Länge eh kein leichtes Unterfangen war. Nun gut, so macht sich Sprinti nun alleine auf den Weg nach Europa…und so lange er da heile ankommt, ist alles gut!

Für uns ist es ein merkwürdiges Gefühl Sprinti nun alleine auf den Weg zu schicken. Unser treuer Begleiter, der uns in den letzten zwei Jahren ganze 81.659 Kilometer durch 19 Länder chauffiert hat (s. dazu auch unsere Route). Der sich manchmal über den schlechten Sprit geärgert hat, uns aber dennoch über endloslange Schotterpisten, sandige Wege, riesige Löcher in den Straßen, starken Sand-und Staubverwehungen und so extremen Winden, dass sich sein ESP und ABS abgestellt hat, gefahren hat. Mit Sprinti haben wir Wüsten und Eisfelder besucht, sind auf dem weltweit größten Salzfeld unterwegs gewesen, waren auf 5000 Metern Höhe und haben den Äquator überquert. Umso schwerer fällt es uns nun, dass sich unsere Wege jetzt hier trennen…wenn auch hoffentlich nur für kurze Zeit. Je nach Wetterlage und der Anzahl an Zwischenstopps wird es circa 30 Tage dauern, bis die Cap San Sounio, mit Sprinti an Bord, Hamburg erreichen wird. Dass jährlich etwa 10.000 Container von den Schiffen ins Meer fallen, blenden wir an dieser Stelle mal gedanklich aus!

Während wir Sprinti nun gut verstaut wissen, machen wir uns in den folgenden Tagen auf, Montevideo zu erkunden. Montevideo ist mit seinen 1,3 Mio. Einwohnern nicht nur die Hauptstadt Uruguays, sondern auch das wirtschaftliche, administrative und kulturelle Zentrum des Landes. Bereits seit dem 18. Jahrhundert galt die Stadt immer wieder als Konkurrent des quasi gegenüberliegenden und nur durch den Mündungstrichter des Río de la Plata getrennten Buenos Aires in Argentinien. Dadurch wurde Montevideo und auch ganz Uruguay in der Geschichte immer wieder von Brasilien oder Argentinien eingenommen. Heutzutage gilt Montevideo laut einer Studie als die südamerikanische Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Und so schlendern wir durch Montevideos Straßen. Wie in Buenos Aires ist auch hier das Stadtbild von vielen alten und prunkvollen Häusern geprägt, wobei das ein oder andere durchaus ein wenig „Liebe“ gebrauchen könnte. Dennoch versprüht es ein besonderes Flair und ich könnte die ganze Zeit nur Gebäude und ihre riesigen Holztüren fotografieren.

Auf dem Rathaus der Stadt befindet sich eine riesige Dachterrasse, die einem einen Ausblick über ganz Montevideo verleiht und zudem Bilder zeigt, wie es hier früher ausgesehen hat. So ist dargestellt, wie Freizeit und Alltagsleben damals stattfanden und dass es am Strand zum Beispiel unterschiedliche Abschnitte für Frauen und Männer gab.

Ebenfalls kommen wir vorbei am Palacio Legislativo, dem Parlament Uruguays, mit seinem imposanten Gebäude und auch den Palacio Salvo, dem Wahrzeichen Montevideos, schauen wir uns aus der Nähe an. Zudem machen wir einen Abstecher zum Büro unserer Verschiffungsfirma, um da alle weiteren Formalitäten zu klären.

Ebenso wie in Argentinien wird auch hier in Uruguay sehr viel Fleisch gegessen, allen voran das Steak. Also besuchen wir die typischen Markthallen, in denen sich ein Restaurant an das nächste reiht, und probieren die traditionellen Speisen. Auch wenn ich eigentlich gar nicht so ein Fleischfan bin, kann ich sagen, dass die Menschen hier durchaus ihr Handwerk verstehen und so lassen wir es uns schmecken.

Am nächsten Tag heißt es nun unsere Rucksäcke zu packen und dann geht es auch für Peter und mich zum Hafen, denn wir nehmen die Fähre rüber nach Buenos Aires, Argentinien.

Vor uns liegen noch ein paar Tage in Buenos Aires, in denen es noch einiges für unsere Rückkehr zu organisieren gibt. Und so sagen wir: „Adios Montevideo, adios Uruguay und adios Sprinti!“

Photo by Jorne Weber

Und dann macht sich auch Sprinti auf den Weg…in seinem Container auf der Cap San Sounio…über den Atlantik…zurück nach Europa!

„Danke für dieses wundervolle Abenteuer, Sprinti! Wir sehen uns in Hamburg wieder und bis dahin…mach’s gut!“

P.S. Ihr wollt wissen, wie unsere Reise zu Ende geht und ob Sprinti heile überkommt? Wir werden Euch hier auf dem Laufenden halten! 🙂

Reiseberichte Argentinien

Buenos Aires (#083)

5. Mai 2024

– Wir entdecken die Hauptstadt Argentiniens –

Wir machen uns auf nach Buenos Aires! Dafür lassen wir Sprinti auf einem Stellplatz in der Nähe von Colonia del Sacramento in Uruguay stehen (s. dazu Artikel „Uruguay #082“) und machen uns mit der Fähre auf nach Argentinien. Begleitet werden wir dabei von Yannic, einem Schweizer Reisenden, den wir schon öfters getroffen haben, und der nun ein Auto aus dem Norden Argentiniens abholen muss.

Die Fahrt mit der Fähre dauert nur ungefähr 1,5 Stunden, aber da wir dadurch ja Uruguay verlassen und Argentinien betreten, steht auch eine komplette Passkontrolle an. Und als der argentinische Grenzbeamte in unserem Reisepass entdeckt, dass dieser in Düsseldorf ausgestellt worden ist, breitet sich ein Strahlen in seinem Gesicht aus und er ruft begeistert auf Spanisch: „Ah Düsseldorf…Tote Hosen!“ Ja, es ist richtig, dass diese bekannte deutsche Band aus unserer letzten Heimatstadt kommt, aber niemals hätten wir damit gerechnet, dass man das hier auch in Uruguay bzw. Argentinien weiß. Schon des öfteren war es vorgekommen, dass Taxifahrer, wenn sie hören, dass wir aus Deutschland kommen, freudestrahlend das Radio aufdrehen und Rammstein abspielen…was jetzt gar nicht mal so unsere Musikrichung ist, sich aber anscheinend in ganz Amerika großer Bekanntheit erfreut. Nun also Die Toten Hosen! Freudestrahlend scrollt der Beamte in seinem Handy, während die Schlange hinter uns immer länger wird. Dann zeigt er uns stolz ein Foto von ihm und Campino und ist hell auf begeistert…die immer länger werdende Schlange stört ihn dagegen überhaupt nicht. Auch dieser Moment wird sich wohl wieder einreihen in die Liste „So klein ist die Welt“. Wir finden es lustig und verabschieden uns von „unserem“ Grenzbeamten. Auf geht es nach Argentinien!

Dann erreichen wir Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens und verabschieden uns von Yannic, für den es nun zum Flughafen geht. Die offiziell nur 202 Quadratkilometer große Stadt bildet den Kern einer der größten Metropolregionen Südamerikas, des Gran Buenos Aires mit etwa 13 Millionen Einwohnern. Damit ist sie nach São Paulo (Brasilien) die zweitgrößte Stadt Lateinamerikas. Oft wird Buenos Aires auch als „Wasserkopf“ Argentiniens bezeichnet, da sich hier fast alle wichtigen Institutionen des Landes befinden und in der Stadt und ihrer Umgebung etwa ein Drittel aller Argentinier wohnt. Sie ist ein wichtiges kulturelles Zentrum und wurde 2005 durch die UNESCO mit dem Titel „Stadt des Designs“ ausgezeichnet.

Im Dezember 2023 wurde hier in Argentinien mit Javier Milei ein neuer Präsident gewählt, der das wirtschaftlich stark angeschlagene Argentinien wieder auf Vordermann bringen möchte. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es daher tausende Beamte zu entlassen, um so den kostspieligen Staatsapparat zu entlasten. Dies stößt gerade bei den betroffenen Personen auf großen Unmut, weshalb viele Menschen auf den Straßen, besonders in der Hauptstadt Buenos Aires, demonstrieren. Dies bekommen wir direkt am eigenen Leib zu sprüren, als uns ein Taxi vom Hafen zu unserer Airbnb-Unterkunft bringen soll und für knapp 10 Kilometer fast zwei Stunden benötigt, weil sämtliche Straßen aufgrund von Demonstrationen schlichtweg gesperrt sind. Dafür ist unser Taxifahrer total nett und so kommen wir schnell ins Gespräch. Dann erreichen wir endlich unsere Unterkunft und fühlen uns dort auch ganz schnell heimisch.

Die nächsten Tage verbringen wir damit, die Stadt zu erkunden und Buenos Aires auf uns wirken zu lassen. Und was können wir sagen? Wir sind begeistert! Buenos Aires ist voll von alten, prunkvollen Häusern, mit schönsten Verzierungen, aufwendigen Stuckdecken und eindrucksvollen Holztüren. All das verleiht der Stadt einen ganz besonderen Charme und so wird Buenos Aires nicht umsonst „das Paris des Südens“ genannt.

Wenn Argentinien und besonders Buenos Aires für eins steht, dann für Fußball…denn schließlich befinden wir uns gerade im Land des aktuellen Weltmeisters. An jeder Ecke trifft man auf Bilder oder Statuen von Maradona oder Messi und wir können nur erahnen, wie die Stimmung hier gewesen sein muss, als 2022 der Weltmeistertitel gewonnen wurde…die Menschen hier müssen im positiven Sinne schlichtweg ausgerastet sein. Im etwas ärmeren Stadtviertel La Boca, das Ende des 19. Jahrhunderts durch italienische Einwanderer entstand, befindet sich mitten in einem Wohngebiet auch das Stadion La Bombonera (dt. „die Pralinenschachtel“). Ringsum das Stadion befinden sich enge Straßen, die komplett in den Vereinsfarben blau und gelb gehalten sind und die das Fußballfieber absolut wiederspiegeln. Warum gelb und blau die Vereinsfarben sind? Weil im Moment der Vereinsgründung schlicht und einfach ein schwedisches Schiff vorbeifuhr. Im Stadion selbst befindet sich auch ein 2001 eröffnetes Vereinsmuseum, in dem ein ganzer Saal dem größten Sohn des Klubs gewidmet ist… Diego Maradona!

Unweit des Stadions befindet sich der Caminito, eine 100 Meter lange Fußgängerzone, die viele Jahre als Schandfleck La Bocas galt. Dies änderte sich, als der Künstler Benito Quinquela Martín zu Farbeimern griff und die Fassaden entlang der Straße bunt anstrich. 1959 wurde der Caminito so zur Museums-Straße und gilt heute als ein Wahrzeichen der Stadt.

Und wie Ihr schon an manchen Bildern erkennen konntet, steht Buenos Aires nicht nur für Fußball, sondern auch für einen ganz besonderen Tanz…den Tango! Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat sich der Tango in verschiedenen Formen von Buenos Aires aus in der gesamten Welt verbreitet. Die Geschichte des „Tango Argentino“ beginnt am Río de la Plata, dem soganannten Mündungstrichter zwischen Argentinien und Uruguay. In den Großräumen Buenos Aires und Montevideo (Uruguay) trafen am Ende des 19. Jahrhunderts die verschiedensten Völker und Kulturen aufeinander. Getrieben von wirtschaftlicher Not in ihren Heimatländern und durch ein groß angelegtes Einwanderungsprogramm der argentinischen Regierung angezogen, erreichten allein zwischen 1880 und 1930 ca. 6 Mio. Neuankömmlinge die Hafenstädte am Unterlauf des Río de la Plata. Der zahlenmäßig größte Anteil der Einwandernden aus der alten Welt kam aus Südeuropa, wie Spanien und Italien, aber auch jüdische Einwandernde waren zahlreich vertreten. Eine weitere große Bevölkerungsgruppe waren die (größtenteils von englischen Händlern entführten) afrikanischen Sklaven.

Die musikalischen Elemente, die zur Entstehung des Tango Argentino beigetragen haben, sind vielfältig. Zwar sind die afroamerikanischen Elemente in Rhythmus und Choreografie des Tangos kaum noch zu erkennen, doch war der Candombe der Kreolen und Afrikaner ein wichtiger Einfluss. Ein ebenfalls wichtiger Einfluss ist die Habanera, die gelegentlich auch „Tango Americano“ genannt wird. Ihre Entstehung wird um 1825 auf Kuba angesetzt und ab 1850 hatte sie in Spanien große Popularität erreicht. Ein noch heute populäres Beispiel für eine Habanera ist die gleichnamige Arie in der Oper Carmen von Georges Bizet. Sie erreichte den Río de la Plata auf dem Wege über Paris, denn die bessere Gesellschaft imitierte alles, was in Frankreich gefiel. Auch der Einfluss mitteleuropäischer Einwanderer ist nicht gering. Aus Polen kam die Mazurka und aus Böhmen die Polka. Aus Deutschland wurde nicht nur das Bandoneon (das später für den Tango typischste Instrument) hinzugefügt. Als Tanz wurde von hier der Walzer und der Ländler mit seinen Drehungen mitgebracht. Ein weiterer, nicht ganz so offensichtlicher Beitrag (ab den 1870er Jahren) stammt von der Maxixe, dem sogenannten brasilianischen Tango, der im Wesentlichen die gleichen Ursprünge hat wie der Argentinische. Sie gilt als der erste städtische Modetanz Brasiliens. Aus diesem Sammelsurium städtischer Musik und Tänze, vermischt mit den ländlichen Payadas der Gauchos, entstand die städtische Milonga. Etwa um 1880 begann man in Buenos Aires und Montevideo zu dieser Musik zu tanzen. Später verlangsamten sich die leichten, fröhlichen Lieder der Milonga zum ernsteren Tango. Und auch wir erleben hier, wie sehr der Tango zur Kultur dazugehört und mit welcher Leidenschaft er zelebriert wird.

In Buenos Aires ebenfalls bekannt, ist der Friedhof La Recoletta, denn dieser ist die Ruhestätte zahlreicher wohlhabender und prominenter Einwohner. Hier wurden argentinische Präsidenten, Profisportler, Wissenschaftler und Schauspieler bestattet. Das wohl bekannteste Grab gehört niemand geringerem als Eva Perón („Evita“), der zweiten Ehefrau des ehemaligen Präsidenten Juan Perón. Eva Duarte wurde am 07. Mai 1919 als eines von fünf unehelichen, aber vom Vater anerkannten Kindern von Juana Ibarguren und dem Großgrundbesitzer Juan Duarte geboren und wuchs in der Nähe von Junín in Argentinien auf. Später heiratete sie Juan Perón und wurde für ihr soziales Engagement und ihren Einsatz für die Frauenrechte in einer Zeit, als Frauen noch nicht einmal ein Wahlrecht besaßen, zum Idol. Als erste an der Staatsspitze eines lateinamerikanischen Landes wirkende Frau, starb Eva Perón im Alter von nur 33 Jahren an Gebärmutterhalskrebs. Nach dem Sturz Juan Peróns im Jahr 1955 verschwand ihre Leiche allerdings für 17 Jahre aus der Öffentlichkeit, da die neuen Machthaber die Erinnerung an sie und ihren Mann bekämpften. Es sollten also noch einige Jahre vergehen, bis sie letztendlich hier in Recoletta ihre letzte Ruhestätte fand. In der Familiengruft der Duartes stehen zwei Särge, doch in keinem liegt Eva Perón. Stattdessen liegt sie einbalsamiert in sechs Metern Tiefe. Der Weg dorthin ist mit einer Stahlplatte verschlossen, denn man ging bei der Grablegung davon aus, dass der Leichnam abermals entführt werden könnte, und entschied sich daher für diese Vorsichtsmaßnahme.

Und so genießen wir unsere Tage in Buenos Aires, dieser bunten und lebendigen Stadt. Unsere Unterkunft liegt im Stadtteil Palermo und damit recht zentral, so dass wir zu Fuß oder mit dem Taxi überall gut hinkommen. Die Sonne scheint und die Termperaturen sind angehnehm…genauso kann es weitergehen! So kommen wir unter anderem vorbei am Nationalkongress, an einer Buchhandlung, die einem alten Theater gleicht und an einem metallernen Kunstwerk in Form einer Blume, die sich je nach Sonneneinstrahlung verändert. Und leckeres Essen ist auch wieder am Start 🙂 .