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Panamakanal

Reiseberichte Kolumbien Panama

Ein Segelboot, ein Sturm und wir mittendrin (#056)

30. Juli 2023

– Auf dem Weg nach Südamerika –

Nachdem wir Sprinti erfolgreich in den Container verfrachtet haben (s. dazu Artikel „Wie kommen wir nach Südamerika? #055“), bleiben uns noch drei Tage in Panama-Stadt. Also ziehen wir mit Sack und Pack ins Hotel, erledigen noch ein paar Besorgungen und erleben noch einmal live, was Regenzeit in Panama bedeutet als wir mitten in einen Starkregen geraten, der die Straßen innerhalb von Minuten überflutet und uns so mancher Weg plötzlich abgeschnitten wird.

Jetzt sind wir schon seit knapp zwei Monaten in Panama und was darf da natürlich auch nicht fehlen?! Genau, ein Besuch des Panamakanals! Und für Peter als Logistik-Ingenieur ist es erst Recht etwas ganz Besonderes. Schon oft hatten wir es vor, aber immer kam etwas dazwischen. Jetzt wird es also Zeit!

Der Panamakanal ist eine künstliche, rund 82 km lange Wasserstraße mit Schleusen, die die Landenge von Panama in Mittelamerika durchschneidet, den Atlantik mit dem Pazifik für die Schifffahrt verbindet und ihr damit die Fahrt um das Kap Hoorn oder durch die Magellanstraße an der Südspitze Südamerikas erspart. Der Kanal verläuft zwischen den Städten Colón an der Atlantikküste und Balboa, einem Vorort von Panama-Stadt an der Pazifikküste und wird von den Schiffen innerhalb von 10 Stunden durchquert. Die Arbeiten für den Panamakanal durch verschiedene Aktiengesellschaften und schließlich durch die Vereinigten Staaten begannen 1881 bzw. 1894. Der aufwendige Bau kostete rund 20.000 Menschen das Leben bis der Kanal schließlich 1914 eröffnet wurde. Allerdings wurde der Durchfahrt des ersten Schiffes kaum Aufmerksamkeit geschenkt, da es an dem Tag ein anderes Ereignis gab…der Beginn des ersten Weltkriegs. Durch einen weiteren Ausbau können seit 2016 auch die ganz großen Schiffe (13.000 Kontainer pro Schiff) den Kanal passieren. So werden jährlich über 300 Mio. Tonnen durch den Kanal transportiert, was ihn damit zu einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt macht. Das schauen wir uns doch jetzt einfach mal aus der Nähe an. Auch haben wir das Glück, live dabei zu sein als ein Schiff die Schleuse des Kanals passiert…

Dann ist es an der Zeit Panama und somit auch Nord- und Mittelamerika Lebewohl zu sagen. Da es zwischen Panama und Kolumbien keine Straßenverbindung gibt, muss Sprinti verschifft werden und wir steigen entweder ins Flugzeug oder ebenfalls auf ein Boot. Weil wir beide kleine Segler sind, entscheiden wir uns für den Segeltrip. Mit dem Boot durch die Karibik hat ja schließlich auch seinen Reiz! Schon früh am Morgen klingelt unser Wecker und bereits um 5 Uhr werden wir am Hotel von einem Fahrer abgeholt. Wir sammeln in der Stadt noch vier weitere Personen ein. Dabei passt all das Gepäck schon lange nicht mehr ins Auto und wird daher kurzerhand aufs Dach gebunden. Drei Stunden lang fahren wir über schlechte Straßen Richtung Nordosten und kommen dabei an merkwürdigen Kontrollen auf Feldwegen vorbei, an denen ernst dreinschauende Menschen unsere Pässe sehen wollen (wir machen also lieber keine Fotos). Andere Autos scheinen komplett beschlagnahmt zu werden und haben definitiv bessere Zeiten hinter sich. Dann erreichen wir die Gegend Barsukan (s. dazu auch unsere Route). Dort führt uns ein matschiger Feldweg zum „Hafen“, wobei das Wort Hafen eher etwas anderes vermuten lässt…reden wir doch hier eher von der Abbruchkante einer Uferböschung des Rio Grande de Carti („grande“ ist hier allerdings so gar nichts). Gemeinsam mit unseren zwei Mitseglern Jana aus Deutschland und Kieran aus England stehen wir nun mit Sack und Pack dort und werden von Mücken zerstochen.

Man hatte uns als Vorbereitung auf diesen Trip gesagt, dass wir unsere Kleidung in den Reisetaschen in Plastiktüten einpacken sollten, weil sie ansonsten bei der Überfahrt nass werden könnte. Als wir sehen, wie unsere Taschen ins Boot verfrachtet werden (bitte nicht fallenlassen!), hoffen wir das erste Mal, dass unsere Plastiktüten auch dicht sind. Dann springen auch wir galant (nicht wirklich) ins Boot und ich sehe mich schon im Rio Grande treiben. Unsere Boote sind übrigens auch ein Fall für sich und ihre Flaggen machen uns schon stutzig. Das was auf den ersten Blick an eine dunkle Zeit der deutschen Geschichte erinnern lässt, ist letztendlich das seit 1925 gebräuchliche Symbol dieser Gegend und der einheimischen Bewohner (Stamm der Kuna) und symbolisiert tatsächlich eine Krake (wer hätte das gedacht?!). Auch wenn es seit 2010 durch ein anderes Symbol abgelöst wurde, so ist das Alte noch immer sehr präsent. Dann geht es los mit unserem Bötchen, was tatsächlich unter die Kategorie „Speedboat“ fällt. Wir fahren den Fluß entlang bis wir auf das offene Meer gelangen. Allerdings scheint es dort einige Sandbänke zu geben…wir sitzen auf! Unsere zwei Bootsführer bringt allerdings gar nichts aus der Ruhe. Mit Stöckern und Brettern versuchen sie uns abzustoßen und irgendwann springt dann auch der Motor wieder an.

Auf dem Meer kommen wir an vielen kleinen Inseln vorbei, die von Angehörigen des Kuna Yala-Stammes bewohnt werden. Die Comarca Guna Yala (früherer Name: San Blas, danach Kuna Yala) ist ein Gebiet an der Nordküste Panamas am Atlantischen Ozean. Die Indigenen des Kuna-Stammes haben damals der Unterwerfung durch die Zentralregierung in blutigen Auseinandersetzungen getrotzt, die schließlich 1925 in einem Aufstand, der Dule-Revolution, gipfelte. Obwohl 1930 ein politischer Vergleich geschlossen wurde, mussten die Indigenen noch jahrzehntelang kämpfen bis schließlich das semiautonome Gebiet Kuna Yala etabliert war. Eine Kette aus etwa 365 Inseln (von denen nur etwa 50 dauerhaft bewohnt werden), die in der karibischen See vor der nördlichen Küste Panamas liegt und sich rund 180 km bis zur kolumbianischen Grenze erstreckt, bildet den Archipel San Blas. Wir erleben schnell, dass hier alles noch ein wenig anders abläuft als bei uns. Ein Einkauf z.B. geht so vonstatten, dass wir an verschiedenen Inseln kurz anlegen, man uns Eier in die Hand drückt, riesen Eisblöcke ins Boot geladen werden und die Tankstelle das Benzin einfach in Plastik-Saftflaschen zur Verfügung stellt. Dann geht es weiter zu unserem Treffpunkt mit unserem Segelboot, das uns in den nächsten Tagen nach Kolumbien bringen soll. Doch kein Segelboot ist bei unserer Ankunft in Sicht und so dümpeln wir eine ganze Zeit auf dem karibischen Meer umher. Auch unsere zwei Bootsführer schauen etwas ratlos aus der Wäsche. Wenn wir uns die letzten fünf Stunden mal Revue passieren lassen, so gebe es mindestens 10 Situationen, bei der jede einzelne eine abendfüllende Szene der Sendung „Die versteckter Kamera“ sein könnte. Alles ist so paradox, dass wir mal wieder nur darüber schmunzeln können.

Dann, am Horizont taucht endlich ein Mast auf…die Kontiki 3…unser Segelboot (eine Beneteau Oceanis 47.3)! Auf dem Boot empfängt uns unser Kapitän Yonatan (aus Kolumbien) mit seiner Crew Tiffany (aus Deutschland) und Lenny (ebenfalls aus Kolumbien). Dann nehmen die Kuriositäten weiter ihren Lauf. So müssen wir uns ja noch aus Panama ausklarieren, d.h. wir brauchen in unserem Pass einen Stempel, dass wir aus Panama ausgereist sind. Und wo macht man das hier? Auf einer kleinen Insel, auf der sich neben einer Landebahn nur drei Häuser befinden, eines davon ein Regierungsgebäude…auch stellt Ihr Euch wahrscheinlich etwas anderes unter einem Regierungsgebäude vor. Und wie macht man hier so einen Behördengang? Richtig, barfuß! Bereits auf dem Segelboot mussten wir unsere Schuhe abgeben und die bekommen wir bis Kolumbien auch nicht zurück. Hier „läuft“ wortwörtlich alles barfuß und so finden wir uns ohne Schuhe im Amt wieder…das ist ja was für mich! Nach einer halben Stunde ist der Vorgang erledigt und wir haben unsere Stempel. Aus Panama ausgereist, in Kolumbien noch nicht eingereist…die nächsten vier Tage befinden wir uns also irgendwie dazwischen.

Dann segeln wir weiter entlang der sogenannten San Blas-Inseln, bekommen von einigen Fischern „von Boot zu Boot“ frischen Hummer verkauft und ankern letztendlich zwischen zwei Inseln, die ein absolutes Karibik-Feeling versprühen. Den Nachmittag und Abend verbringen wir auf der größeren (etwa 3000 qm) Insel. Auf ihr lebt eine Familie in einer kleinen Hütte, die Bier verkauft. Wir treffen dort auch auf andere Segler, gehen schwimmen, spielen Volleyball, grillen und genießen die Atmosphäre…barfuß natürlich!

Nachts liegen Peter und ich in unserer Koje als wir von hellen Blitzen und starkem Donnern geweckt werden. Letzteres knallt in einer ohrenbetäubenen Lautstärke und lässt dabei das gesamte Boot vibrieren. Das Gewitter ist genau über uns und in diesem Ausmaß haben wir beide dieses Naturspektakel zuvor noch nicht erlebt. Im Sekundentakt wechseln sich Blitz und Donner ab und es ist beeindruckend zu spüren mit welcher Wucht die Natur zuschlägt, während wir hier machtlos in unserer kleinen Koje liegen. Dann irgendwann zieht das Gewitter glücklicherweise weiter und wir schlafen wieder ein.

Am nächsten Tag segeln wir ein Stück weiter und ankern erneut zwischen zwei der hunderten Insel…diese Mal allerdings andere als am Vortag. Hier befindet sich auch ein Riff, an dem man gut schnorcheln kann…so sagt man. In der Ferne kündigt sich bereits das nächste Gewitter an, aber Yonatan versichert uns, dass wir noch ausreichend Zeit haben und Lenny uns direkt zurück zum Boot bringt, sobald sich das Wetter verschlechtert. Alles klar! So fahren Lenny, Kieran, Jana, Peter und ich im Dingi (ein Schlauchboot, das übrigens Luft verliert und ständig nachgepumpt werden muss) zum Riff. Dann geht es mit Taucherbrille und Schnorchel gewappnet ins Wasser. Die Bedingungen sind allerdings wahrlich nicht die besten, zieht uns die Strömung doch immer wieder raus aufs Meer. Dann plötzlich schlägt das Wetter um…der Himmel ist dunkel, es stürmt, die Wellen schlagen hoch und es regnet in Strömen. Niemand außer uns ist im Wasser. Lenny versucht das Dingi zu erreichen. Als es ihm endlich gelingt und er uns schließlich einsammeln kann, springt der Motor nicht an. Der Sturm wird stärker. Dann klappt es und wir erreichen nach einiger Zeit wieder das Segelboot, wo Tiffany und Yonatan schon auf uns warten.

Im Laufe des Nachmittags beruhigt sich das Wetter wieder ein wenig, so dass wir bei Sonnenschein zu einer der beiden Inseln rüberfahren. Sie hat eine Größe, dass man sie innerhalb von 15 Minuten zu Fuß (auch barfuß natürlich) einmal umrundet hat und wieder beschleicht uns bei all den Palmen, dem weißen Sand und dem türkisfarbenen Meer das Karibik-Feeling. Hier lässt es sich definitiv aushalten!

Gegen Abend fahren wir rüber zur anderen Insel, treffen erneut andere Segler und schauen uns bei einem Bierchen und mit den Füßen im Meer den Sonnenuntergang an…der sich allerdings an diesem Abend ein wenig hinter den Wolken versteckt. Gut allerdings ist die Sicht auf ein riesiges Schiffswrack, was vor sechs Jahren auf dem Riff aufgelaufen ist und seitdem dort feststeckt. Weil es dem Besitzer zu teuer war es zu beseitigen, ist es dort geblieben…ja, so läuft das hier!

Am nächsten Tag segeln wir erneut ein Stück weiter und ankern an einer Stelle, die sich gut zum Schnorcheln eignet. Dieses Mal macht uns das Wetter auch keinen Strich durch die Rechnung und so können wir die Zeit unter der Wasseroberfläche schön genießen.

Für das Mittagessen steuern wir eine weitere der kleinen Inseln an, auf der sich eben nur dieses eine Restaurant befindet…und wir sind an diesem Mittag auch die einzigen Gäste.

Zurück auf dem Segelboot heißt es sich von den San Blas-Inseln zu verabschieden, denn nun steht die Überfahrt nach Kolumbien an. Je nach Wetterlage bedeutet das 30-50 Stunden auf dem offenen Meer, ohne Land in Sicht. Die Wettervorhersage lässt allerdings nichts Gutes erwarten, ist doch ein ordentlicher Sturm gemeldet. Schon draußen auf dem Meer merken wir schnell, dass hier wortwörtlich ein anderer Wind weht. Die Wellen werden höher, das Wasser unruhiger. Bei dieser Vorhersage hatte man uns empfohlen Tabletten gegen Seekrankheit einzunehmen. Gesagt, getan! Peter und ich besitzen beide einen Bootsführerschein und waren auch schon einige Male segeln. Glücklicherweise hat uns der Wellengang in der Magengegend noch nie etwas ausgemacht. Mal schauen, wie es bei diesen Wetterprognosen so aussehen wird?!

Gegen 2 Uhr in der Nacht werden wir wach, als wir im Bett hin und hergeschaukelt werden. Dinge fliegen umher und draußen peitscht der Wind. Unsere Luken werden zugeschlagen und wir hören, wie Yonatan, Lenny und Tiffany an Deck alle Hände voll zu tun haben, dass Boot unter Kontrolle zu bekommen. Wir fragen uns, was dort oben wohl abgehen mag, wir wissen aber, die Situation ist durchaus ernst. Da wir das Deck unter diesen Umständen nicht betreten dürfen, verharren wir in unserer Koje und sind dennoch mittendrin in diesem Geschehen, was erneut zeigt wie gewaltig die Natur sein kann und wie machtlos wir im Ernstfall sind.

Am nächsten Morgen, als der Sturm größtenteils abgeklungen ist, erfahren wir von Yonatan, dass dieser Sturm zu den drei schlimmsten in seiner 10-jährigen Karriere gehört. Die Messgeräte haben in der letzten Nacht 50 Knoten Wind angezeigt, das fällt unter die Kategorie „schwerer Sturm“, bildet auf der Beaufort-Skala eine 10 und bedeutet Windgeschwindigkeiten von 89-102 kmh. Auf offenem Meer ist das erst Recht kein Zuckerschlecken! Auf dem folgenden Bild seht Ihr unseren Streckenverlauf während des Sturms und wie unser Captain versucht hat, das Boot auf Kurs zu halten, aber vom Wind immer wieder deutlich versetzt wurde.

Auch am nächsten Tag sind Kieran und Jana magentechnisch noch ordentlich angeschlagen, Peter und mir geht es glücklicherweise noch immer gut. Wir verbringen den ganzen Tag mit der Überfahrt, noch immer ist kein Land in Sicht und nur selten zeigen sich andere Boote in weiter Ferne. Die nächste Nacht gestaltet sich ruhiger und langsam kommen wir unserem Ziel immer näher.

Um 2.15 Uhr werden Peter und ich von Yonatan geweckt und können so live miterleben, wie wir in die Bucht von Cartagena einlaufen. Alles ist still, die Lichter der Stadt leuchten und wir genießen einfach nur den Moment…da ist es…Kolumbien!

Ein neues Land…ein neuer Kontinent…ein neues Kapitel auf unserer Reise!

Jetzt fehlt nur noch Sprinti!

Reiseberichte Panama

Oh, wie schön ist Panama (#054)

9. Juli 2023

– Die Regenzeit und ihre Tücken –

Seit einigen Wochen befinden wir uns bereits in Panama…wenn wir auch gleichzeitig ziemlich oft nicht da waren. Das klingt komisch? Genauso war es aber! So z.B. während unseres Heimaturlaubs in Deutschland (s. dazu Artikel „Heimaturlaub #052“) oder zuletzt auch durch unseren Kurztrip nach Ecuador (näheres dazu findest Du im Artikel „Ein Abstecher nach Ecuador… #053“). Sprinti hat in dieser Zeit Stellung in Panama gehalten, während wir durch die Gegend geflogen sind. Mittlerweile haben wir das ein oder andere in Panama allerdings auch schon gemeinsam erkundet. Umso mehr wird es Zeit, dass wir diesem Land nun auch endlich einen eigenen Artikel widmen.

Also los geht’s!

Panama hat ca. 4,4 Mio. Einwohner und grenzt im Westen an Costa Rica und im Osten an Kolumbien. Dadurch bildet das Land die Verbindung zwischen Mittel- und Südamerika. Der Panamakanal, der das Land durchquert, verbindet zudem die Karibik mit dem Pazifischen Ozean und ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Zudem ist der Kanal für den Staat Panama die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Panama erhielt 1903 seine Unabhängigkeit von Kolumbien. Danach stand das Land lange unter dem Einfluss der USA. Im Jahre 1999 gaben die USA schließlich die volle Kontrolle des Panamakanals an den Staat Panama ab. Dank der Einnahmen durch den Kanal zählt Panama heute zu den reichsten Ländern in Lateinamerika.

Wir fühlen uns auch direkt wohl in diesem Land und werden sehr freundlich empfangen. Die Straßen sind in einem mal mehr mal weniger guten Zustand, die Kriminalität ist wesentlich geringer als in anderen Ländern Mittelamerikas und auch ein gewisser „Wohlstand“ ist zu spüren. Allerdings merken wir schnell, dass viele Menschen sehr lange und auch am Wochenende arbeiten. Wir erfahren, dass viele Menschen an ca. 60 Stunden die Woche für einen Lohn von 800 Euro pro Monat ihrer Arbeit nachkommen. Zahlungsmittel ist der Balboa, allerdings ist der US-Dollar ebenfalls offizielles Zahlungsmittel. Der Balboa ist dabei 1 zu 1 an den US-Dollar gekoppelt. Ehrlich gesagt haben wir hier tagtäglich ausschließlich mit dem US-Dollar zu tun (es sei denn man bekommt als Wechselgeld mal Balboa-Münzen zurück), weil der Balboa ansonsten nicht wirklich im Umlauf zu sein scheint.

Nachdem wir von unserem Heimaturlaub zurückgekehrt sind, verpassen wir Sprinti das ein oder andere Ersatzteil, was wir aus Deutschland mitgebracht haben, damit er noch ein wenig spritziger unterwegs ist.

Als das erledigt ist, sehnen wir uns nach ein wenig Ruhe, Abgeschiedenheit und vor allem aber nach niedrigeren Temperaturen. An die über 30 Grad Celsius und 80% Luftfeuchtigkeit müssen wir uns tatsächlich erst wieder gewöhnen. Also zieht es uns raus aus Panama City und ab in die Berge „Cerro Azul“ im „Nationalpark Chagres“. Auf dem Weg dorthin fängt es an zu regnen und so richtig hört es auch in den nächsten Tagen damit nicht auf, stehen wir doch so manches Mal inmitten von Wolken. Teilweise sieht es sogar sehr mystisch aus, wenn die Wolken direkt an uns vorbeiziehen. Allerdings finden wir schnell heraus, dass es wenig mystisch ist, wenn wir innen alles feucht haben, sobald die Wolke einmal durch Sprinti durchgezogen ist…also besser Fenster und Türen geschlossen halten, wenn es soweit ist! Der Weg durch die Berge meistert Sprinti übrigens bestens, wenn auch das letzte Stück zu unserem Übernachtungsplatz es ganz schön in sich hat. Es handelt sich dabei um einen ungeteerten, ziemlich ausgewaschenen Weg mit dicken Steinen und einer ordentlichen Steigung. Aber es klappt und wir stehen einige Tage in der absoluten Abgeschiedenheit mit einer tollen Aussicht…wenn nicht gerade die Wolken alles vernebeln, heißt das. Wir genießen auf jeden Fall die angenehmen 25 Grad und auch die Ruhe. Als an einem Tag die Sonne so wunderbar scheint und uns eine tolle Sicht bescherrt, kennt mein Bewegungsdrang dann aber kein Halten mehr. Mir ist sowieso schon aufgefallen, dass bisher das Tanzen auf dieser Reise bisher echt zu kurz gekommen ist (abgesehen von der ecuadorianischen Hochzeit, auf der wir zuletzt waren) und dabei mache ich das ja sooo gerne. Die äußeren Bedingungen geben das schlichtweg oft nicht her. Hier oben auf dem Berg bietet sich das nun aber absolut an, weil ich keinen störe und mich niemand stört…also perfekt! Kopfhörer auf, Musik an und los geht’s! Auch viele Schmetterlinge, Riesenlibellen und Greifvögel genießen diesen Sonntagmorgen und leisten mir Gesellschaft. Letztere kreisen immer wieder über mir und wundern sich wahrscheinlich, was denn da an diesem Tag so komisch auf dem Berg herumhoppelt. Aber ich bin mir sicher, sie haben schnell gemerkt, dass ich gewichtstechnisch da als Beutetier schon mal nicht in Frage komme…ist auch für beide Seiten besser so! Anschließend testen wir unsere neue Außendusche, besser gesagt, den entsprechenden Vorhang dafür. Ich kann sagen: „Klappt prima!“

Nach einigen Tagen geht es für uns wieder nach Panama City (s. dazu auch unsere Route), denn nun steht eine Stadtbesichtigung auf dem Plan…ist ja auch längst überfällig! Panama-Stadt ist Hauptstadt und auch Regierungssitz des mittelamerikanischen Staates Panama und mit etwa 813.097 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Sie liegt im Süden in der Provinz Panamá an der pazifischen Küste, direkt östlich des Panamakanals. Die moderne Stadt ist das wirtschaftliche, politische, touristische und kulturelle Zentrum des Landes und zählt in wirtschaftlicher Hinsicht als Weltstadt. Wir gehen also auf Erkundungstour und starten in der historischen Altstadt…

Allerdings ist es an diesem Tag auch wieder so warm und schwül, dass wir bereits nach kurzer Zeit den Weg in einen klimatisierten Raum suchen…wir landen in einem kleinen einfachen Restaurant, das ein Geheimtipp bei den Einheimischen zu sein scheint…wir sind offensichtlich die einzigen Touristen hier (daher verkneifen wir uns auch das Fotografieren). Aber wir lassen uns das traditionelle Hühnchen mit Reis und Gemüse schmecken und machen uns dann wieder auf den Weg zu Sprinti. Mit dem Taxi geht es dabei raus aus der Altstadt Panama Cities, vorbei an der „Neustadt“ mit vielen Wolkenkratzern und jeder Menge Verkehr. Man mag kaum glauben, dass hier „nur“ knapp 800.000 Menschen leben sollen.

In den nächsten Tagen führt uns unser Weg zum Einkaufen, Wäsche waschen und letztendlich auch zum „Split“, eine Landzunge, die den Pazifik vom Panama Kanal trennt. Von dort haben wir eine tolle Sicht auf die Skyline der Stadt, besonders als es abends anfängt zu Gewittern und ein Blitz den nächsten jagt. Ein Wäschbär lässt sich davon allerdings wenig beeindrucken und ist derweil anderweitig beschäftigt.

Tags darauf flüchten wir temperaturbedingt mal wieder aus der Stadt…es verschlägt uns ins etwa 2,5 Stunden entfernte „El Valle de Antón“, zu deutsch in das Anton-Tal. Die Qualität der Straßen lässt zwar ein wenig zu wünschen übrig und wir werden nebst Sprinti ordentlich durchgerüttelt, aber nun ja…das haut uns jetzt auch nicht um! Dann erreichen wir einen kleinen Campingplatz („Potosi“), der uns wieder einmal ein Urwald-Feeling verleiht. Die Temperaturen sind allerdings etwas besser ertragbar als in der Stadt.

So ganz sagt uns der Platz dann allerdings doch nicht zu und so geht es am nächsten Morgen für uns weiter ins benachbarte Tal. Und diese Strecke hat es mal wieder in sich…es geht auf und ab…und das teilweise so steil und auf ungeteerten Straßen, dass wir uns manchmal nicht sicher sind, ob Sprinti das so schafft. Aber es klappt…super Sprinti! Und die Mühen haben sich absolut gelohnt! Wir stehen auf einem traumhaften Platz („Chica Paraiso Escondido“) mit einer Wahnsinns-Aussicht…einfach der Hammer!

Auch hier bleiben wir ein paar Tage, denn dieser traumhafte Platz ist ganz nach unserem Geschmack. Stundenlang können wir auf der Bank sitzen und die Aussicht genießen. Allerdings sieht man hier auch früh, wenn das nächste Gewitter im Anmarsch ist…und davon gibt es einige…ist in Panama doch gerade Regenzeit. In Panama herrscht nämlich tropisches Klima, wobei Jahreszeiten kaum ausgeprägt sind. Die Tagestemperaturen liegen im Jahresverlauf zwischen 29 und 32 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit kann bis zu 100 % betragen. Das Jahr lässt sich je nach Region in eine Regenzeit (Mai-Nov.) und in eine kurze Trockenzeit (Dez.-April) unterteilen. So regnet es momentan fast täglich, d.h. es ist warm und die Sonne scheint, dann kommt ein ordentlicher Regenschauer, meist mit Gewitter, und danach scheint wieder die Sonne …und noch immer es ist warm und vor allem schwül. Das Gewitter bringt also keinerlei Abkühlung, sondern lediglich noch mehr Feuchtigkeit. Hier oben auf dem Berg weht dazu ein kleines Lüftchen, was es wesentlich angenehmer macht. An einem Nachmittag…Peter hat gerade erneut sein Talent als Friseur unter Beweis gestellt und mir einen neuen Haarschnitt (ehrlich gesagt war es nur Spitzenschneiden) verpasst, als der Himmel sich so zusammenzieht, dass er fast schwarz wird. Da braut sich also ganz schön was zusammen! Und dann geht es auch schon los! Es donnert und blitzt ununterbrochen und uns beschleicht das Gefühl, dass wir hier auf dieser freien Anhöhe vielleicht doch nicht so optimal stehen könnten. Zwar kann uns „eigentlich“ im Auto nichts passieren, weil die Karosserie als Faradayscher Käfig dient, aber wenn der Blitz oben in unser Solarpanel einschlägt, das mit einer Kabeldurchführung in den Wagen zur kompletten Elektrik führt, dann entfacht das auch gerne mal ein „kleines“ Feuerchen. Und das muss ja nun wirklich nicht sein! Wir sind also sehr froh, als das Gewitter nach einiger Zeit weiterzieht ohne nähere Bekanntschaft mit Sprinti oder uns zu machen. Was aber bleibt ist ein schönes Schauspiel von aufsteigender Feuchtigkeit und sich bildenen Wolken, die um uns herziehen, bis letztendlich die Sonne wieder scheint. Weiter unten hören wir einen Fluß, der sich mittlerweile wie ein reißender Strom anhört und langsam kommen auch die vielen bunten Vögel und Schmetterlinge wieder hervor. Und wieder einmal sind wir beeindruckt, was die Natur alles so anstellt.

Wir wären gerne noch länger an diesem Platz geblieben, aber wir müssen zurück nach Panama City. So langsam beginnen nämlich die Vorbereitungen…

Wofür?

Das erfahrt Ihr dann beim nächsten Mal… 🙂