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Äquator

Reiseberichte Ecuador

Wir erreichen den Äquator (#062)

24. September 2023

– Ab jetzt sind wir in der südlichen Hemisphäre unterwegs –

Es ist Montag Morgen um 7.30 Uhr…und wir erreichen das nächste Land…Ecuador (s. dazu auch unsere Route)! Unsere amerikanische Freundin Shelley ist ebenfalls mit von der Partie. Der Grenzübergang funktioniert auch hier wieder nicht immer logisch, aber doch recht reibungslos. So müssen wir uns auf der kolumbianischen Seite abmelden, d.h. wir erhalten einen Stempel im Pass und unser TIP („Temporary Import Paper“) für Sprinti wird ebenfalls ausgetragen. Dann geht es rüber auf die ecuadorianische Seite. Auch hier geht es zu „Migration“, wo wir einen Einreisestempel in den Pass bekommen. Dann ab zur „Aduana“, wo wir Sprinti anmelden und ein neues TIP erhalten. Ecuador ist tatsächlich das erste Land, in dem wir keine KFZ-Versicherung benötigen. Das kann jetzt gut oder schlecht sein. Gut, weil wir uns das Geld sparen können…schlecht, weil wir keine Absicherung haben. Wobei man hier auf der Reise eh nie weiß, ob die Versicherungsgesellschaft im Schadensfall auch zahlen würde. Außerdem sind die Leistungen, anders als in Deutschland, doch sehr reduziert. Nach rund 1,5 Stunden an der Grenze ist alles erledigt und wir können weiterfahren. Shelley hingegen braucht ein wenig länger, weil es noch etwas Bürokratie für ihren Hund Franklin zu erledigen gibt. Auf geht es nun für uns Ecuador weiter zu erkunden, hatten wir doch im Juni bereits einen kleinen Einblick in das Land bekommen (s. dazu Artikel „Ein Abstecher nach Ecuador…#053“).

Unseren ersten Stopp legen wir in der Nähe von Ibarra bei Hans und seiner Finca Sommerwind ein. Hans ist ein deutscher Auswanderer und kennt hier quasi jeden. Und jeder kennt Hans! Dadurch ist seine Finca Sommerwind ein absoluter Treffpunkt für viele Reisende. So landen auch wir dort und treffen neben Shelley, Zach und Rhuta auch einige andere bekannte Gesichter wieder…ja, die kleine Reisewelt!

Hans hat neben einem deutschen Restaurant mit Currywurst, Wiener Schnitzel, Klößen und Rotkohl, auch deutsches Bier, frischgebackenen Kuchen und einige aus Deutschland importierte Produkte im Angebot. Da müssen wir einfach zugreifen und so landen tatsächlich Gewürzgurken und Doppelkekse in unserem Einkaufskorb…und das ein oder andere Bierchen und Stückchen Kuchen natürlich auch.

Tagsüber nutzen wir die Zeit um Wäsche zu waschen und vieles zu erledigen (an sämtlichen Wagen wird hier geschraubt und repariert was das Zeug hält). Abends sitzen wir alle beim gemeinsamen Lagerfeuer zusammen und das ein oder andere Stückchen Fleisch landet auf dem Grill.

Hier bei Hans können wir auch ein wenig die Entwicklungen im Land abwarten. So hat doch vor ein paar Tagen die Präsidentschaftswahl in Ecuador stattgefunden. Während des Wahlkampfes war zuvor ein Präsidentschaftskandidat, der den Kartellen den Kampf angesagt hatte, erschossen worden, was zu einigen Unruhen im Land geführt hat.

Das politische Leben in Ecuador, insbesondere auf nationaler Ebene, ist derzeit von starker Instabilität geprägt, im Nationalkongress bilden sich nur selten stabile Koalitionen. So genießen die Parteien und Parlamente im Land aufgrund der häufig notwendigen Zugeständnisse und ständigen Verhandlungen zwischen den Parteien und einzelnen Abgeordneten ein relativ geringes Ansehen. Es kommt somit häufig zu „Paketlösungen“ unter Verdacht individueller Bereicherung und öffentlicher Diffamierungen.

Das spezielle Wahlrecht Ecuadors führte 2006 sogar dazu, dass der gewählte Präsident Rafael Correa die Wahlen gewann, ohne dass ihn seine politische Bewegung PAÍS als Kandidaten bei den Parlamentswahlen aufgestellt hatte.

Das ecuadorianische Militär hat ebenfalls einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Politik, zum einen durch die Präsenz ehemaliger Militärs in Führungspositionen, zum anderen dadurch, dass es dem regierenden Präsidenten bei Protesten und Aufständen die Unterstützung entziehen kann, wie es in den Fällen der gestürzten Jamil Mahuad (2000) und Lucio Gutiérrez (2005) geschehen ist.

In diesem Jahr erreichte das Land nun aufgrund der aktiven Drogenkartelle, die Ecuador als Transitland benutzen, eine Welle der Gewalt. Die Mordrate in Ecuador übertrifft diejenige von Mexiko. So ist es auch zu den vorgezogenen Neuwahlen des Parlaments gekommen. Abseits der großen Städte wie Quito oder Guayaquil bekommen wir von den Wahlen und eventuellen Eskalationen nicht viel mit, so dass wir uns nach einigen Tagen wieder auf den Weg machen können.

Gar nicht weit entfernt von Ibarra und der Finca Sommerwind liegt Otavalo, ein Ort, der für seinen traditionellen Artisanenmarkt bekannt ist. Es handelt sich tatsächlich um den größten Markt Südamerikas. Wir stöbern durch die engen Gassen, vorbei an Unmengen an Marktständen und bewundern die detaillierte Handwerkskunst, die bunten Farben und die wundervollen Stoffe. Weil wir nun in die kalte Andengegend kommen, können wir bei einer warmen Alpaka-Decke, einem kuscheligen Wollpullover, einem dicken Schal und diversen anderen kleinen Dingen nicht widerstehen. So verleben wir einen tollen Nachmittag mit Rhuta, Zach und Shelley auf diesem Markt in Otavalo und runden dies mit einem Besuch in einem traditionellen Restaurant ab…lecker war’s!

Anschließend geht es für uns weiter zur Laguna Cuicocha, einem über 3100 Jahre alten Kratersee. Dort finden wir einen schönen kleinen Campingplatz (Paradero Ucshapungo) bei einer sehr freundlichen Familie. Nachts erreichen wir mittlerweile die 5-0 Grad Celsius, da kommt der Abend am Kamin gerade recht. Zu dem Stellplatz gehört neben einer Küche auch ein gemütlicher Aufenthaltsraum, den wir gerne nutzen. Gerade Zach, Rhuta und Shelley wird in ihren Dachzelten nämlich ganz schön frisch. Wir sind wieder einmal sehr froh, dass wir Sprinti so ordentlich gedämmt haben. Unsere Heizung ist in diesen Höhen (3284 m) nämlich keine Hilfe mehr, da sie schlichtweg nicht mehr funktioniert. Und dabei haben wir doch extra das „Höhen-Kit“ eingebaut, was allerdings nur bis 1400 m reicht…das sind dann wohl eher europäische Höhenlagen, weniger aber Südamerikanische…hier lacht man schlichtweg über 1400 m. Aber wir haben ja auch unsere neue Alpaka-Decke…also alles kein Problem!

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zur benachbarten Lagune…ein absolutes Träumchen, sage ich Euch!

Dann heißt es nach rund vier Wochen Abschied zu nehmen von Zach, Rhuta, Shelley und ihrem Hund Franklin, da nun unterschiedliche Routen vor uns liegen. Wir hatten eine wirklich schöne Zeit mit unserem „Colombian Convoy“ und freuen uns schon auf’s Wiedersehen!

Anschließend machen Peter und ich uns auf, die Lagune zum umwandern…na ja, zumindest ein Stück davon. Hatte ich erwähnt, dass die Luft auf knapp 3300 m ganz schön dünn wird?! Die Aussicht ist allerdings fantastisch und wir können uns gar nicht satt sehen.

Noch am selben Tag fahren wir die Panamericana ein Stückchen weiter, denn wir haben noch ein ganz besonderes Ziel…den Äquator! Offiziell nennt sich dieser Punkt hier La Mitad del Mundo Reloj Solar. Die Erdoberfläche wird vom Äquator in eine Nord- und eine Südhälfte unterteilt, woher der lateinische Name Äquator („Gleichmacher“, veraltet „Gleicher“) stammt. Deutschland ist vom Äquator übrigens 47,4° bis 55,0°, also etwa 5300 bis 6100 km, entfernt. Wir befinden uns somit von Nord nach Süd genau in der Mitte der Erdkugel, auf der geographischen Breite 0. Hier steht die Sonne jedes Jahr am 21. Juni im Zenit. Beidseits des Äquators befindet sich die Klimazone der Tropen. Durch den während des ganzen Jahres hohen Sonnenstand am Äquator ist die Einstrahlung hoch (oh ja!) und nahezu gleich bleibend.  Charakteristisch für das sogenannte Äquatorialklima ist eine das Jahr über anhaltende Milde, Jahreszeiten wie Sommer oder Winter, so wie wir sie in Deutschland haben, gibt es nicht. Der Umfang des Äquators beträgt 40.075,017 Kilometer und durchquert die Kontinente Afrika, Asien (Indonesien) und Amerika (Südamerika) sowie die drei Ozeane Atlantik, Pazifik und Indischer Ozean. Er erreicht an der Südflanke des Vulkans Cayambe in Ecuador auf über 4500 Metern seinen höchsten Punkt. Und genau hier stehen wir nun…am höchsten Punkt des Äquators mit Blick auf den Cayambe. So viel sei gesagt…für uns ein ganz besonderer Moment auf dieser Reise. So waren wir doch schon oben am Polarmeer, haben den nördlichen Polarkreis in Kanada und den nördlichen Wendekreis in Mexiko überquert…und jetzt den Äquator! Immer mit am Start…Sprinti!

Wir machen an diesem Nachmittag eine Tour durch das Museum und den angrenzenden botanischen Garten und holen uns (na klar!) auch einen Äquator-Stempel für unseren Reisepass ab.

Auch nach dem Äquator geht es an diesem Tag für uns noch weiter…nächstes Ziel: Ecuadors Hauptstadt Quito! Wir haben uns einen Stellplatz mit Aussicht herausgesucht und landen bei dem kanadischen Auswanderer Andy (CoDa Vista), der uns gleich mit offenen Armen empfängt. Und die Sicht auf Quito ist echt phantastisch!

Am nächsten Tag machen wir uns dann mit dem Taxi auf in die Stadt. Ecuadors Großstädte sind, was die Sicherheit anbelangt, durchaus ein Fall für sich und so sind wir besonders vorsichtig. Daher fühlt es sich auch direkt merkwürdig an, als an dem Hauptplatz der Stadt alles abgesperrt ist und er von vielen bewaffneten Polizisten bewacht wird. Sollten wir eventuell schnell das Weite suchen? Wir fragen einen Polizisten, was das Ganze hier auf sich hat. Und so stellt sich heraus, dass lediglich die Frau des Präsidenten zum Dinner geladen hat und das natürlich hier am Präsidentenpalast. Also alles halb so wild!

Nachdem wir uns an einem kleinen Laden mit neuen SIM-Karten für Ecuador eingedeckt haben (ja, auch solche Dinge müssen auf der Reise erledigt werden), schlendern wir weiter durch die Straßen. Wobei „schlendern“ zum Teil ein wenig hochgegriffen ist, so liegt Quito doch inmitten von Hügeln. Es geht also bergauf und bergab. Dazu kommt die Höhe von 2850 m. Damit ist Quito, nach der bolivianischen Hauptstadt La Paz, die zweithöchstgelegene Hauptstadt der Welt. Sie ist zudem mit rund 2,7 Millionen Einwohnern neben Guayaquil eine der beiden größten Städte des Landes und ihre Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Besonders aus der Puste sind wir als wir die Basilika erklimmen und bis oben in die Türme klettern. Auch diese Aussicht kann sich wortwörtlich sehen lassen. Dann ist Zeit für eine Stärkung angesagt uns so landen wir in dem von Andy empfohlenen Restaurant  “Villa Hermosa”. Hier genießen wir, neben der erneut schönen Aussicht, auch das ganz wunderbare Essen.

Dann machen wir uns mit dem Taxi auf zu einem riesig großen Einkaufsmarkt, der hoffentlich so spezielle Dinge, wie eine elektrische Zahnbürste, eine SD-Karte, einen Fingerhut und Nähnadeln hat. Neben einigen Lebensmitteln bekommen wir dort allerdings nur die SIM-Karte und trotzdem ist es schon stockduster draußen als wir den Laden wieder verlassen. Jetzt aber schnell zurück zum Stellplatz! Im Dunkeln hier herumzulaufen ist jetzt eine vielleicht nicht so gute Idee! Nach einer aufregenden Taxifahrt, bei der der Taxifahrer kein Navi besitzt und wir ihm versuchen mit Händen und Füßen den Weg und Google Maps zu erklären, haben wir es dann geschafft…wir sind zurück bei Sprinti! Todmüde fallen wir ins Bett und wachen erst wieder auf, als wir am nächsten Morgen vom Hahnengekrähe geweckt werden.

Ja, so ist das hier!

Reiseberichte Ecuador

Ein Abstecher nach Ecuador… (#053)

2. Juli 2023

– …und was eine Hochzeit und Malaria damit zu tun haben –

Nach einer Woche Blogpause melden wir uns zurück! Warum es letzten Sonntag keinen neuen Artikel gab, hat einen ganz einfachen Grund…wir waren unterwegs…unterwegs in Ecuador! Dahinter steckt ein überaus schönes Ereignis…die standesamtliche Hochzeit von Peters Schwester Franziska und ihrem ecuadorianischen Mann Ronald. Das können wir uns nicht entgehen lassen und fliegen kurzerhand von Panama City nach Guayaquil. Sprinti bleibt derweil wieder an der Overland Embassy in Panama City, wo er zuletzt auch auf uns gewartet hat als wir auf Heimaturlaub in Deutschland waren (s. dazu auch Artikel „Heimaturlaub #052“). Auch Peters Mutter Margret, sein Bruder Andreas und unsere Nichte Pia reisen aus Deutschland an, um den besonderen Tag mit dem Brautpaar zu erleben. Wir der Zufall es so will, haben Margret, Andreas und Pia nach rund 10 Stunden Flug eine Zwischenlandung in Panama City. Von da aus geht es für uns alle gemeinsam dann weiter nach Ecuador und so landen wir bereits zwei Stunden später in Guayaquil.

Guayaquil ist neben der Hauptstadt Quito mit etwa 2,65 Millionen Einwohnern (mehr als 3 Millionen Menschen leben in der Metropolregion) eine der größten Städte Ecuadors und besitzt zudem den wichtigsten Hafen des Landes. Guayaquil liegt am Westufer des Río Guayas, etwa 50 km oberhalb von dessen Mündung in den Golf von Guayaquil. Und wie der Name des Landes Ecuador schon sagt, wir sind nun am Äquator! Das Klima in Guayaquil ist tropisch, also schwül-heiß. Das Jahr teilt sich in eine Trocken- und eine Regenzeit („Winter“) auf. Letztere dauert von etwa Januar bis Juni und die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 24,9 °C. Peter und ich sind diese Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit ja bereits gewohnt, wir freuen uns sogar über ein wenig „Abkühlung“, während die Anderen ganz schön ins Schwitzen kommen.

Endlich treffen wir nach langer Zeit Franziska und Ronald wieder und so gibt es unwahrscheinlich viel zu erzählen! Auch sind wir ganz gespannt darauf, das Leben und die Kultur in Ecuador kennenzulernen. Ronald ist vor einigen Tagen erst von einer Geschäftsreise von der Elfenbeinküste zurückgekehrt und fühlt sich seitdem schlapp und müde. Über Nacht steigt sein Fieber so immens an, dass wir ihn am nächsten Morgen erst einmal ins Krankenhaus bringen. Nach einigen Stunden ist klar…Ronald hat Malaria und muss vorerst im Krankenhaus bleiben! Oh oh, das klingt aber gar nicht gut! Es ist Dienstag und am Samstag soll die Hochzeit stattfinden! Hoffentlich ist er bis dahin wieder fit!

Wir nutzen die Zeit Guayaquil ein wenig zu erkunden und haben mit Franziska ja die beste Reiseleitung mit dabei. So fahren wir z.B. mit einer Seilbahn über Fluss und Stadt, schlendern die Promenade entlang und genießen die Aussicht hoch über der Stadt. Die vielen bunten Wandbilder erinnern uns dabei irgendwie an Mexiko…

Auch besuchen wir das Kakaomuseum, das sich an DER Kakaostraße („Calle Panama“) Guayaquils befindet. Hier roch früher die gesamte Straße nach Kakao, weil der nach der Ernte dort zum Trocknen ausgelegt wurde. An den Häusern zeigen schöne Wandgemälde, wie es in dieser Straße früher vor sich gegangen ist und geben uns einen interessanten Einblick. Das Gebäude, in dem sich das Museum befindet, ist das am besten erhaltene Gebäude des 18. Jahrhunderts in dieser Gegend und diente früher als Wohnhaus einer sehr angesehenen Familie, die im Kakaobusiness tätig war. Auch diese Familie wird im Museum dargestellt und macht die Geschichte des Kakaos umso greifbarer. Ecuador und der Kakao sind sehr eng miteinander verbunden, denn der älteste Beweis für die Herkunft von Kakao überhaupt befindet sich in diesem Land. Da wundert es schon fast nicht, dass auch Ronald im Kakaogewerbe tätig ist. So erfolgte bereits vor mehr als 5300 Jahren ein Warenaustausch zwischen den Ureinwohnern Ecuadors und Mesoamerikas…und das meist sogar nur mit einem Floß über Hunderte von Seemeilen. Im 18. Jahrhundert stiegen die Kakaoexporte so weit an, dass Guayaquil den Spitznamen „Goldnugget“ erhielt. Im Museum erfahren wir daher viel über die Geschichte des Kakaos und welchen Stellenwert dieser auch heute noch hat. Auch lernen wir viel über die unterschiedlichen Kakaosorten und darüber wie er heutzutage angebaut und vertrieben wird. Und bei so viel Kakao darf am Ende natürlich auch ein Schokoladenschmankerl aus der angrenzenden Schokoladenmanufaktur nicht fehlen…so was von lecker, sage ich Euch!

In den kommenden Tagen machen wir gemeinsam mit Franziska einen Ausflug ins Landesinnere, kurzgesagt in den Ort Baños, der für seine vielen touristischen Attraktionen und seine Thermalbäder bekannt ist. Leider kann Ronald nicht mit dabei sein, weil er noch immer im Krankenhaus bleiben muss. Schon früh am Morgen werden wir von unserem Fahrer Marcello eingesammelt und unser Abenteuer in den Anden beginnt. Plötzlich befinden wir uns auf fast 4000 m Höhe und bekommen einen ersten Vorgeschmack auf die Anden, diese riesige Gebirgskette, die ganz Südamerika durchzieht und die wir in den nächsten Monaten auch mit Sprinti erkunden wollen. Über sechs Stunden dauert an diesem Tag unser Fahrt, bei der es hoch und runter durch die Berge geht, wir durch Wolkendecken fahren, Regen und Sonne erleben, Esel, Rinder, Kühe und Unmengen an wilden Hunden den Straßenrand säumen und die Straßenverhältnisse teilweise durchaus zu wünschen übrig lassen…aber Marcello hat alles im Griff…das hoffen wir zumindest! Wir kommen durch kleine Dörfer und bekommen einen Eindruck, wie die Menschen hier ihr Leben gestalten. Auch sehen wir viele Frauen, die in traditioneller Kleidung aus einem langen Rock samt Bluse gekleidet sind und viele Männer tragen typisch ecuadorianische Hüte.

In Baños angekommen, lernen wir unseren Guide Marco kennen und checken in ein kleines Hotel ein, bevor wir in einem Restaurant traditionell ecuadorianische Speisen zu uns nehmen…einfach lecker, kann ich nur sagen! Schnell stellen wir fest…nichts geht hier ohne die landestypische Kochbanane, die auf die unterschiedlichste Weise zubereitet wird und ein ganz neues Geschmackserlebnis für uns ist. Danach steht auch schon der nächste Programmpunkt auf unserem Plan…über eine Schlucht geht es rüber zu zwei Wasserfällen…und das in einem grünen „Metallkäfig“, der am Ende von einem jungen Mann angetrieben wird, der auf einer Maschine sitzt, die eher einem Rudergerät gleicht. Das ist dann selbst Peter zu heikel und so machen wir uns ohne ihn auf den Weg…

Danach führt uns unser Weg in eine kleine Bonbonfabrik, wobei das Wort „Fabrik“ womöglich ein viel zu große Herstellung vermuten lässt. Hier läuft es eher gediegen und familiär ab. So sehen wir, wie aus der Guayaba-Frucht (Guave) Süßspeisen und auch ein Schnaps hergestellt werden…noch besser ist es, wir dürfen beides auch probieren 🙂 …ebenfalls Prädikat: lecker!

Anschließend geht es für uns weiter zu einem anderen Wasserfall, der sich über 90 Meter in die Tiefe stürzt und damit der höchste Wasserfall in der Umgebung ist.

Zum Abschluss des Tages erhalten wir noch ein kleines Wellness-Programm, als wir draußen in der Dunkelheit in 38 bzw. 42 Grad heißen Quellen baden und die Aussicht auf die Lichter der Stadt und den angrenzenden bunt beleuchteten Wasserfall genießen. Es könnte also definitv schlechter bei uns aussehen.

Am nächsten Tag verlassen wir die Anden und erreichen mit Puyo einen Ort in der äquatorialen Regenwald-Tiefebene, d.h. wir befinden uns im Amazonasbecken. Der Regen, der also auf dieser Seite der Anden abregnet, sowie auch alle Flüsse in diesem Becken fließen über den Amazonas in den Atlantik. Wir merken schnell, es wird wärmer und schwüler. Nachdem uns Marcello in Puyo abgesetzt hat, geht es für uns weiter mit einem bunten Bus, der unter die Kategorie „Partybus“ fallen könnte, weiter. Wir starten mit einer kleinen Höhlenwanderung, die uns zu einem wunderschönen Aussichtspunkt bringt…einfach herrlich!

Anschließend wandern wir durch den Regenwald und entdecken weiter die Schönheit Ecuadors. An einem weiteren Wasserfall gibt es die Möglichkeit ins „kühle Nass“zu springen…die Betonung liegt hier auf „kühl“!

Dann ist es Zeit für ein Mittagessen und so kehren wir in einem kleinen Straßenrestaurant ein, auf deren Areal sich neben Hunden und Papageien auch ein kleines Wildschwein herumtreibt und uns, glücklicherweise freundlich, begrüßt.

Gut gestärkt geht es dann für uns in unserem bunten Bus weiter, hin zu einer kleinen Siedlung, in der ein indigenes Volk nach alten Traditionen lebt und uns an diesem Nachmittag (wenn auch ein wenig touristisch) einen kleinen Einblick darin verschafft. So werden wir Zeuge eines traditionellen Tanzes, erhalten typische Gesichtsbemalungen, schießen mit einem Blasrohr auf eine Zielscheibe und Peter kommt in den Genuss, einer Anakonda mal gaaaaannz nah zu kommen.

Danach geht es gemäß der indigenen Tradition mit zwei typischen Kanus auf dem Fluss weiter. Dazu sei gesagt…ohne Wasserschippen sehen wir hier alt aus und so manches Mal kommen wir ganz schön ins Wanken, wenn unsere Guides uns mit ordentlich Speed über die Steine im Flussbett manövrieren. Was ein Abenteuer!