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Reiseberichte Argentinien

Unsere Reise geht zu Ende (#085)

26. Mai 2024

– Wir kommen nach Hause –

Nachdem wir Sprinti in Montevideo in den Container verfrachtet haben, geht es für Peter und mich noch einmal via Schiff nach Buenos Aires. Uns bleiben noch ein paar Tage in Argentiniens Hauptstadt bevor auch für uns die Reise zu Ende geht und wir mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland fliegen. Wir haben uns wieder in ein Airbnb eingebucht, denn es gibt tatsächlich noch viele organisatorische Dinge, die es vor unserer Rückkehr zu erledigen gilt. Anders als bei einem Urlaub von dem man zurückkehrt, ist es bei einer Langzeitreise doch etwas aufwendiger (s. dazu auch Artikel „Auf Langzeitreise…#032“). So benötigen wir einen Wohnsitz bzw. eine Meldeadresse in Deutschland, dann müssen sämtliche Dinge für das Arbeitsamt eingestellt und erledigt werden. In den letzten zwei Jahren besaßen wir außerdem eine Auslandsreisekrankenversicherung, die nun erlischt…wir benötigen also mit dem ersten Fuß auf deutschem Boden wieder eine Krankenversicherung. Zudem müssen unsere Handyverträge und SIM-Karten wieder angepasst werden. Sprinti, der während unserer Reise in Deutschland nur eine Haftpflichtversicherung besaß, braucht nun wieder eine Kaskoversicherung. Außerdem benötigen wir auf kurz oder lang neben Sprinti auch einen PKW in Deutschland, um mobil zu sein. Wie der Zufall es so will, können wir das Auto von unserem Schwager übernehmen. Somit ist auch dafür eine Versicherung und ein Termin beim Straßenverkehrsamt nötig, wobei letzteres momentan gar nicht leicht zu bekommen ist. Also bedarf es einiges an Recherche, Anträge werden gestellt, Versicherungen verglichen und Telefonate mit deutschen Behörden geführt, was aufgrund der Zeitverschiebung auch gar nicht immer so einfach ist.

Neben all diesen Erledigungen wollen wir allerdings auch nicht vergessen, dass wir aktuell in Buenos Aires sind. Bei unserem letzten Besuch haben wir die Stadt bereits erkundet (s. dazu Artikel „Buenos Aires #083“) und somit fällt alles was wir nun hier erleben unter die Kategorie „Bonus“. Und so schlendern wir an einem Vormittag durch unsere Viertel „Palermo Hollywood“, was an sich schon ein lustiger Name ist, wie ich finde. Und so kommen wir auch an dem Restaurant Don Julio vorbei, was zu den besten Restaurants Südamerikas gehört und bei dem wir bei unserem letzten Besuch keinen Tisch mehr bekommen haben. Also versuchen wir es an diesem Vormittag erneut, denn sicherlich ist mittags weniger los als abends. Und wir haben Glück, wir erhalten einen Tisch für 15.30 Uhr…perfekt! Und so laufen wir weiter durch die Straßen von Buenos Aires und genießen das schöne Wetter.

Zu 15.30 Uhr stehen wir dann mit knurrendem Magen wieder vorm Don Julio und bekommen einen Tisch auf der Außenterrasse zugewiesen. Dort läuft alles etwas legerer ab, also genau das Passende für uns. Don Julio ist ein familiengeführtes Restaurant, was im 19. Jahrhundert als kleiner Grill an der Straßenecke gestartet ist und heute einen Michelin-Stern besitzt. Wir sind also gespannt!

Don Julio steht (typisch argentinisch) für gutes Fleisch…vornehmlisch Steak. Schon beim Blick auf die Karte, sehen wir in was für einem Restaurant wir sind, denn natürlich spiegelt sich der Michelin-Stern auch in den Preisen wieder. So kostet das teuerste Stück Fleisch rund 88 Euro und eine Flasche Wein bekommt man für 800 Euro. Glücklicherweise gibt die Speisekarte auch eine etwas niedrigere Preisklasse her, dennoch teilen wir uns unser Glas Wein dann seeehr gut ein. Sowohl das Essen, als auch die Getränke fallen dann unter das Prädikat „köstlich“…einfach der Hammer, sage ich Euch! Und irgendwie auch ein krönender Abschluss unserer Reise.

Jetzt ist es schon einige Tage her, dass wir uns von Sprinti verabschiedet haben und er in seinem Container auf das Schiff „Cap San Sounio“ geladen wurde (s. dazu Artikel „Sprinti macht sich auf den Heimweg…#084“). Quasi täglich schauen wir auf unseren Handys (vesselfinder.com) nach, wo sich Container und Schiff aktuell befinden. Der Container ist noch immer auf der Cap San Sounio…sehr gut! Das Schiff hat sich bereits auf den Weg gemacht und den Hafen von Montevideo verlassen…ebenfalls sehr gut! Aber wir staunen nicht schlecht, als die Cap San Sounio samt Sprinti plötzlich in den Hafen von Buenos Aires einläuft…von diesem Zwischenstopp hatte man uns nämlich nichts erzählt. Leider ist das gesamte Hafengelände riesig groß und darf zudem nicht betreten werden, so dass wir keinen Blick auf das Schiff erhaschen können. Aber letztendlich ändert es ja auch nichts. Wir hoffen einfach, dass die Cap San Sounio mit all ihren Containern heil über den Atlantik kommt und wir Sprinti in etwa 30 Tagen in Hamburg in Empfang nehmen können.

Photo by Jorne Weber

Dann ist auch unser letzter Tag der Reise gekommen. So packen wir ein letztes Mal unsere Rucksäcke und lassen die vergangenen zwei Jahren noch einmal Revue passieren. So fällt auch unsere Entscheidung für unser finales Abendessen hier in Buenos Aires auf mexikanische Tacos, die wir in Mexiko echt lieben gelernt haben.

Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Wir verlassen unser Airbnb und ab geht es mit Sack und Pack zum Flughafen von Buenos Aires. Mit der italienischen Fluglinie ITA fliegen wir 13 Stunden bis nach Rom, von dort aus weiter bis nach Frankfurt und letztendlich mit der Lufthansa dann weiter bis zum Flughafen Münster/Osnabrück. Da zum Zeitpunkt unserer Rückreisebuchung ein Bahnstreik den nächsten jagte, haben wir uns auch bei unserer letzten Etappe für einen Flug entschieden…nichtsahnend, dass kurze Zeit später die Lufthansa ihre Arbeit niederlegt.

Wir hoffen also an diesem Tag, dass alles glatt gehen wird. Da Peter mit seinen 1,98 m ja eher zu der etwas größeren Sorte Mensch gehört, haben wir Sitze mit mehr Beinfreiheit gebucht und finden uns somit am Notausgang und direkt vor den Toiletten wieder. Im Laufe des Fluges stellt sich dann heraus, dass vorbei an unseren Sitzen reger Verkehr herrscht, wir immer wieder angerempelt werden und sich Passagiere auch gerne bei uns an Bein, Schulter oder Bildschirm abstützen, wenn sie drohen ihr Gleichgewicht zu verlieren. Was zudem sehr merkwürdig ist, dass ITA auf unserem ersten Flug bereits mittags die Innenbeleuchtung ausstellt und darum bittet die Sonnenblenden zu schließen. So sitzen wir ganze 13 Stunden im Dunkeln, obwohl mindestens 6 davon helligster Tag sind. Dadurch kommen wir irgendwie nicht wirklich in den Schlaf, aber das ist dann halt mal so!

Dann ist es soweit…nach 723 Tagen (abgesehen von unserem zweiwöchigen Heimaturlaub) betreten wir wieder deutschen Boden…wir sind wieder zu Hause!

Am Flughafen werden wir von Familie und einigen Freunden begrüßt und freuen uns total darüber!

Jetzt heißt es erstmal „Ankommen“! Noch immer gibt es einiges zu organisieren und zu erledigen. Freunde und Familie wiederzusehen steht natürlich auch auf dem Programm und wir freuen uns sehr alle wieder in die Arme schließen zu können. War doch bei unserem Abflug vor zwei Jahren noch Covid ein großes Thema.

Und so vergehen die ersten Tage und Wochen wie im Fluge und man kann bei uns definitiv noch nicht von einem geregelten Alltag sprechen. Bei Vesselfinder sehen wir, dass auch die Cap San Sounio immer näher kommt und nach einigen Stopps in Brasilien auch den Atlantik bereits überquert hat. Nach weiteren Stopps in Marokko, Rotterdam und Thames (London) ist es dann soweit…die Cap San Sounio erreicht nach 29 Tagen Deutschland und damit den Hamburger Hafen…mit an Bord Sprinti…das wollen wir zumindest mal hoffen!

Nun heißt es sich noch ein paar Tage zu gedulden, denn wir haben noch kein „Go“ von der Verschiffungsfirma für die Abholung. Zuerst muss der Container vom Schiff geladen werden und dann benötigen wir einen Termin für den Zoll und einen für die Öffnung und damit auch für die Entladung des Containers. Um beides kümmert sich die deutsche Verschiffungsfirma (Overlander Shipping). Durch die derzeitigen Feiertage verschiebt sich der ganze Prozess noch einmal. Zeitlich haben wir damit jetzt gar nicht so einen Stress, aber jeder weitere Tag, an dem sich Sprinti länger auf dem Hafengelände aufhält, kostet uns bares Geld. Derzeit werden 99% der aus Südamerika ankommenden Container vom Zoll gescannt und dadurch auf eventuelle Drogen, Waffen oder andere Gefahrstoffe kontrolliert. Und wie der Zufall es so will, beraten sich am Tag von Sprintis Ankunft sämtliche Innenminister Europas darüber, wie man die illegale Drogeneinfuhr via Schiff aus Südamerika eindämmen kann. Und wo tun sie das? Genau…in Hamburg! Mit Sprinti kommen zwei weitere Container mit Reisefahrzeugen auf der Cap San Sounio aus Montvideo an. Sehr zur Verwunderung unserer Verschiffungsfirma muss nur einer dieser Container gescannt und damit durchleuchtet werden. Und welcher ist das? Genau…Sprintis! Somit verzögert sich die Abholung erneut ein wenig. Tags drauf bekommen wir dann aber endlich das sogenannte „Go“ und dürfen Sprinti in Hamburg aus dem Container holen. Rein zufällig muss auch mein Cousin an diesem Tag beruflich nach Hamburg und kann uns daher mitnehmen…sehr praktisch! Danke Timo!

Mitten auf der Autobahn erhalte ich dann einen Anruf von Ricardo (Verschiffungsfirma), der eine gute und eine schlechte Nachricht für uns hat. Die Schlechte ist, dass der Zoll unseren Container bereits ohne uns geöffnet hat, weil beim Scannen etwas Verdächtiges entdeckt wurde. Sofort ist Peter und mir klar, was das nur sein kann…die „Breckies“ für unsere Trockentrenntoilette! Dabei handelt es sich um vier kleine Pakete mit Kokosfasern, die von Form und Größe tatsächlich Ähnlichkeit mit einem Kokainpäckchen haben können. Daher hatten wir sie extra nicht versteckt, sondern ziemlich offensichtlich in unseren Gaskasten gelegt. Auch Scherze haben wir zuhauf über unsere Päckchen gemacht und müssen daher nun umso mehr schmunzeln, für welch ein Aufsehen unsere Kokosfasern beim Zoll gesorgt haben müssen.

Das heißt also der Container und auch Sprinti wurden bereits vom Zoll geöffnet…da wären wir ja gerne dabei gewesen! Das ist also die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist aber dann, dass es nichts weiter zu beanstanden gab und alle Zoll- und Einreiseformalitäten bereits erledigt sind. Wir brauchen Sprinti also nur noch aus dem Container holen und dürfen uns dann direkt auf den Nachhauseweg machen. Apropos „nichts zu beanstanden“…auch hier fällt uns ein Stein vom Herzen, dass man uns bzw. Sprinti nicht noch etwas untergejubelt hat, als er eine Nacht alleine am Hafen von Montevideo stand. Das sind nämlich durchaus gängige Vorgehensweisen einiger Schmuggler. Also haben wir hier ebenfalls Glück gehabt! 🙂

Dann erreichen wir den Hamburger Hafen und damit auch das Gelände unserer Verschiffungsfirma, auf dem lediglich zwei Container stehen. Der eine ist geöffnet und wird gerade mit zwei Reisefahrzeugen beladen. Davor stehen drei durchaus nervöse Leute, die ganz offensichtlich die Besitzer der Fahrzeuge sind. Sie erzählen uns, dass ihre Autos nun nach Halifax verschifft werden und damit ihre Reise auf der Panamericana beginnt. Wir fühlen uns direkt zwei Jahre zurückversetzt und wissen noch genau, wie nervös wir vor der ersten Verschiffung waren.

Direkt daneben steht ein zweiter Container, dieser allerdings verschlossen. Groß prangen die Buchstaben der Firma „Maersk“ auf den Seitenwänden des Containers…das muss unser sein! Da drin ist Sprinti!

Und dann ist es soweit…wir dürfen den Container öffnen und Sprinti „in Empfang nehmen“…yippieh!

Jetzt heißt es also nur noch Sprinti auch heile aus dem Container herauszubekommen. Bereits beim Beladen des Containers in Montevideo war das ja schon eine sehr knappe Geschichte…gerade was Sprintis Höhe anbetrifft (s. dazu ebenfalls Artikel „Sprinti macht sich auf den Heimweg…#084“)! Hier ergibt sich nun das Problem, dass die Rampe vor dem Container vorne eine kleine Erhebung hat, so dass die Gefahr besteht, dass Sprinti mit unserem Solarpanel schön an der Decke entlangschrammt. Während der Hafenmitarbeiter die Gurte löst, klettert Peter durch Sprintis Hintertüren in den Fahrerbereich und schließt die Starterbatterie wieder an.

Dann kann es losgehen…welcome back, Sprinti!

Das wäre also schonmal geschafft! Jetzt heißt es nur noch Sprintis Reifen wieder aufzupumpen, die ja in Montevideo abgelassen wurden, damit er in den Container passt. Wir checken innen und außen ob Sprinti die vier Wochen im Container gut überstanden hat. Alles sieht einwandfrei aus…unsere aufgestellten Entfeuchter haben ganze Arbeit geleistet und selbst unsere Kokos-Breckies hat man uns gelassen. Womöglich hatten die Zollbeamten sich schon über einen erfolgreichen Drogenfund gefreut und dann war die Enttäuschung groß…nur Toilettenbreckies! Als die Reifen wieder aufgepumpt sind, führt uns unser erster Weg zur Tankstelle…endlich wieder deutsches Benzin! Dann geht es für uns ab nach Hause!

Das war sie dann also unsere Reise…ganze zwei Jahre absolutes Abenteuer! Die Panamericana von Alaska bis Feuerland!

723 Tage, 81.659 Kilometer, drei Kontinente (Nord- und Südamerika plus Antarktis), 20 Länder und 50 Stempel mehr in unserem Reisepass! Wir waren bei den Inuits (die sich zum Teil auch selbst Eskiomos nennen) am Polarmeer, sind in Kanada und den USA Bären und Bisonherden begegnet, sind dreimal mit Sprinti liegengeblieben und mussten in der Einöde abgeschleppt werden, haben in Mexiko unseren Tauchschein gemacht und sind mit Wahlhaien im offenen Meer geschwommen, haben in Belize unsere Fortgeschrittenen-Tauchlizenz erhalten und haben uns Haie unter Wasser aus der Nähe angeschaut. Auch haben wir die Kulturen der Mayas und Incas kennengelernt und verschiedene Weltwunder besucht. Wir sind bei einem Orkan durch die Karibik gesegelt, haben Vulkane und Berge bestiegen, sind auf 5100 m Höhe gewandert und sind mit einer kleinen Propellermaschine über die Nazca-Linien geflogen. Wir haben neben dem Äquator auch den nördlichen und südlichen Wendekreis überquert, waren in der Atacamawüste und damit in der trockensten Gegend der Erde, wurden in den Tropen von Brüllaffen geweckt, haben neben Bananenstauden und unter Mango- und Avocado-Bäumen übernachtet und sind so oft von Mosquitos gestochen worden wie noch nie zuvor in unserem Leben. Wir sind Menschen aus über 40 Nationen begegnet und haben ihre unterschiedlichsten Kulturen und Lebensmodelle kennengelernt. Wir waren auf einer ecuadorianischen Hochzeit und haben die einzigartige Tierwelt von Galapagos erlebt. Wir waren in der südlichsten Stadt der Welt und haben in der Antarktis den kältesten, trockensten und windigsten Kontinent der Erde kennengelernt. Ich könnte noch stundenlang so weiterschreiben, weil es einfach so faszinierend, herausfordernd und besonders war, dass es sich auch nur schwer in Worte fassen lässt.

Besonders gefreut hat es uns, dass auch Ihr immer mit dabei wart auf unserer Reise und mitgelesen und mitgefiebert habt. Über 25.000 Mal wurde unser Blog in den letzten zwei Jahren aufgerufen und unzählige Kommentare mit lieben Worten habt Ihr hinterlassen (eine Medaille für die meisten Kommentare geht dabei an Karin und Wolfgang 🙂 ). Wir wissen noch nicht, ob und wie es mit diesem Blog weitergehen wird, aber wenn es etwas Neues geben sollte, dann werdet Ihr es hier automatisch erfahren.

Abschließend gilt es zu sagen, dass wir voller Dankbarkeit zurückblicken auf so eine tolle und einzigartige Zeit und müssen uns so manches Mal kneifen, dass wir das wirklich alles erlebt haben.

Niemals werden wir unser kleines Abenteuer vergessen…damals…zwei Jahre mit Sprinti…auf der Panamericana…von Alaska bis Feuerland!

Reiseberichte Panama

Heimaturlaub (#052)

18. Juni 2023

– Panama -> Deutschland -> Panama –

Wir erreichen Panama! Anders als zuvor angekündigt, läuft die Grenzkontrolle nicht so einfach wie gedacht, aber mittlerweile haben wir ja ein wenig Übung und so geht dann doch alles recht schnell vonstatten. Mit Übertreten der Grenze erreichen wir erneut eine andere Zeitzone und liegen nun nur noch 7 Stunden hinter Deutschland.

Unser erster Weg führt uns entlang der Panamericana Richtung Osten bis zum Örtchen Boquerón, wo wir den kleinen Campingplatz „Villa Paula“ erreichen. Wir sind an diesem Tag dort die einzigen Gäste und werden sofort freundlich von den Betreibern Nelson und Kathi begrüßt. An dem Stellplatz, der eigentlich mehr einem Garten gleicht, befindet sich auch das Wohnhaus der beiden. Stolz führt uns Nelson über das Areal, zeigt uns seine Tiere wie Hunde, Hühner, Hähne und auch einen Kapuzineraffen, der sich hier oft blicken lässt. Umgeben sind wie von Ananas- und Bananenstauden, Mango-, Avocado- und Guanabanabäumen (Stachelannone). Nelson erzählt uns, dass es in der Gegend so viele Avocados gibt, dass viele weggeworfen werden müssen…für uns in Deutschland einfach unvorstellbar…zumindest was Avocados anbelangt.

Nach einer ruhigen Nacht (abgesehen von Hundegebell und Hahengekrähe…was hier ja schon Standard ist), fahren wir am nächsten Tag weiter auf der Panamericana Richtung Osten (s. dazu unsere Route). Die Straßenverhältnisse sind in diesem Fall gut, so dass man gerne mal ein wenig schneller fährt als erlaubt, ohne dass man es wirklich merkt…was ja durchaus ungewohnt für uns ist, so sind die Straßen meist eh so schlecht, dass eine Überschreitung des Tempolimit gar unmöglich ist. So sind wir seit den USA keiner Blitze geschweige denn einer persönlichen Polizeikontrolle bezüglich des Tempolimits mehr begegnet. Dies scheint auch die ansässige Polizei herausgefunden zu haben und so dauert es gar nicht lange bis wir bergab so richtig schön Fahrt aufgenommen haben und unten (sehr geschickt übrigens) von einem Motorradpolizisten angehalten werden. Der Polizist ist sehr freundlich und macht uns darauf aufmerksam, dass wir ein wenig zu schnell waren. Über „ein wenig“ lässt sich bei 95 kmh in der 80er Zone streiten, aber nun ja 🙂 ! Wir waren zu schnell, er hat uns ertappt, also stehen wir dafür gerade! Anders als bei der korrupten Polizeikontrolle zuletzt in Nicaragua, als man uns zu Unrecht beschuldigte (s. dazu Artikel „El Salvador, Honduras & Nicaragua #049“), um uns abzukassieren, ist uns das dann so doch lieber. Wir wollen schon den Geldbeutel zücken, als der Polizist uns einen Strafzettel in die Hand drückt, den wir in Panama City bezahlen sollen. Wie viel das sein wird, könne er uns nicht sagen, das wüsste das Amt…also dieser Polizist scheint glücklicherweise von Korruption ganz weit weg zu sein und ist uns damit schon einmal sehr sympathisch! Wir verabschieden uns freundlich und weiter geht’s…nur nicht zu schnell wohlgemerkt! An diesem Tag kommen wir auf genau dieser Straße, auf der wir tatsächlich einige Stunden unterwegs sind, noch an acht weiteren Kontrollen vorbei, die aber dieses Mal glücklicherweise keinen Grund haben uns anzuhalten 🙂 !

Dann irgendwann erreichen wir Panama City, die Hauptstadt Panamas.

Ihr wundert Euch vielleicht, warum wir rechts und links so viel von Panamas Sehenswürdigkeiten auslassen und direkt in die Hauptstadt fahren. Dazu sei gesagt: „Das Andere kommt später!“ Wir haben nämlich einen Termin…und zwar geht in ein paar Tagen unser Flug nach Deutschland! Ja richtig, nach Deutschland! Nicht, dass Ihr nun denkt, unsere Reise sei hier und jetzt beendet, dass ist sie nämlich bei weitem nicht, aber wir legen einen 2,5 wöchigen Heimaturlaub ein und freuen uns schon riesig auf Familie und Freunde! Warum jetzt einen Heimaturlaub einlegen, wenn unsere Reise doch nach den geplanten 15 Monaten im Herbst eh vorbei ist? In den vergangenen Monaten haben wir festgestellt, dass wir es nicht schaffen werden diesen Zeitplan von 15 Monaten aufrechtzuerhalten, wenn wir nicht durch jedes Land durchhetzen und vieles auslassen wollen.

Wir haben aber jetzt die Gelegenheit zu dieser Reise, können jetzt Land und Leute kennenlernen, haben jetzt keinen Job, der zu Hause mit festen Terminen auf uns wartet, Sprinti ist jetzt in Amerika und unsere Auslandsreisekrankenversicherung ist eh bereits für zwei Jahre bezahlt. Daher sind wir zu dem Entschluss gekommen, diese Gelegenheit jetzt zu nutzen und die zwei Jahre voll auszukosten. Somit verlängern wir unser geplantes Abenteuer um ein paar Monate und sind schon ganz gespannt auf das, was da noch so kommt!

Weil zwei Jahre aber für uns durchaus eine lange Zeit ohne Freunde und Familie ist, haben wir uns entschieden einen kurzen Heimaturlaub einzulegen. Nur sehr wenige Menschen wissen zuvor von diesen Plänen, so können wir möglichst viele mit unserer plötzlichen Anwesenheit überraschen. Wir legen unseren Heimaturlaub so, dass wir an zwei geplanten Familientreffen beider Familien in Deutschland dabei sein können. Zusätzlich muss in den 2,5 Wochen jede Menge erledigt werden…wie z.B. einige Besorgungen, Arzttermine und meine Handyreparatur. Bekomme ich jetzt tatsächlich nach über fünf Monaten auch mein kaputtes Handy repariert (s. dazu Artikel „Das nennt man dann wohl Glück im Unglück #034“)? Was sich dabei ebenfalls anbietet, ist sämtliche Ersatzteile und Dinge des alltäglichen Lebens aus Deutschland mitzubringen. Also nutzen wir die folgenden Tage um unsere Amazon-Konten wieder zum Glühen zu bringen und missbrauchen unsere Eltern in Deutschland als Paketannahmestation (dafür noch einmal lieben Dank an zu Hause!). Unglücklicherweise wurden viele Bestellungen einzeln verpackt und verschickt, so dass diverse Boten über ein paar Tage den Weg nicht nur einmal zurücklegen mussten.

Unser Anlaufpunkt in Panama City ist erstmal die Overland Embassy, die Firma, die sich auch um Sprintis Verschiffung nach Kolumbien in einigen Wochen kümmern wird. Dort gibt es einen kleinen Stellplatz mitten in der Stadt, von dem wir in den kommenden Tagen alles aus regeln können…sehr praktisch! Auch wird Sprinti hier während unserer Abwesenheit sicher (hoffentlich) stehen und auf uns warten können. Wir treffen hier zufällig auch Michael (mit dem wir in Costa Rica durch die Mangroven geschippert sind) wieder und zudem viele andere Reisende aus der ganzen Welt, die hier ebenfalls diesen Anlaufpunkt gesucht haben. Einige stellen ihr Fahrzeug hier auch für einige Zeit unter, andere bereiten die Verschiffung nach Deutschland, Kolumbien oder in die ganze Welt vor. Nebenan befindet sich zudem eine Werkstatt, die von vielen Reisenden dankend angenommen wird…auf so einer Reise gibt es schließlich immer etwas, was an den Fahrzeugen nicht mehr funktioniert. Auch wir lassen Sprinti dort auf eventuelle Ersatzteile checken. Wir müssen ja quasi schon überlegen, was im kommenden Jahr alles kaputtgehen könnte. Aber Sprinti ist „good in shape“ und braucht neben einer Spurstange nur ein paar neue Filter…was hoffentlich auch so bleibt! Vorsichtshalber werden wir noch das ein oder andere Ersatzteil mehr mit einpacken…sicher ist sicher!

Und dann ist der Tag gekommen…es geht nach Deutschland! Sprinti ist so vorbereitet, dass er die nächsten 2,5 Wochen gut überstehen sollte, unsere Taschen sind gepackt…es kann also losgehen! Wir fliegen mit der holländische Fluggesellschaft KLM von Panama City via Direktflug bis nach Amsterdam, Flugzeit ca. 10 Stunden. Wir freuen uns schont tierisch auf die Lieben zu Hause!

Wir verleben eine tolle Zeit in der Heimat und genießen es bei unseren Lieben zu sein. Endlich lernen wir auch mein Patenkind, den bereits zehn Monate alten Ludwig persönlich kennen…das war auch längst überfällig! Die Welt hat sich eben auch in Deutschland weitergedreht, während wir nicht da waren. So ist z.B meine Schwester in diesem Jahr vom Münsterland nach Bayern gezogen, hat geheiratet und ist Mama geworden und auch Peters Schwester und ihr Mann haben erneut Nachwuchs bekommen…herzlich willkommen in der Familie, kleiner Oskar! Das ist der Nachteil, wenn man auf Reisen ist…gewisse Dinge verpasst man zu Hause halt. Als wir im letzten Jahr im April gestartet sind, war auch Corona noch ziemlich gegenwärtig, so dass man sich zum Teil schon sehr lange nicht mehr oder nur eingeschränkt mit Freunden und Familie treffen konnte. Umso mehr versuchen wir nun in den 2,5 Wochen alles nachzuholen. Es ist so schön, unbeschwert zusammenzusein, sich in den Arm zu nehmen, zu quatschen und gemeinsam zu lachen. Peter und ich haben beide das Gefühl, wir seien gar nicht weg gewesen. Wir deuten das als sehr gutes Zeichen, wenn es in Beziehungen zu Freunden und Familie keinerlei Veränderungen gibt, obwohl wir die letzten 14 Monaten nicht da waren. So fühlt es sich umso schöner und geborgener an im Kreise der Lieben zu sein. Leider ist die Zeit zu kurz alle Menschen zu sehen, die uns wichtig sind, aber da sei gesagt: „Das holen wir nach…wir freuen uns jetzt schon darauf!“

Neben den Menschen zu Hause genießen wir auch die typischen Dinge der Heimat, die in den letzten Monaten einfach zu kurz gekommen sind…leckeres Frühstück mit Körnerbrot oder Vollkornbrötchen, bezahlbarer Gouda, der auch nach Gouda schmeckt, leckerer Spargel mit Sauce Hollandaise und Schnitzel, schöne Grillabende mit deutscher Bratwurst und leckeren Salaten und natürlich auch das gute deutsche Bier. Neben all dem leckeren Essen und Trinken wissen wir nun auch die deutsche Ordnung, die Sauberkeit, die angenehmen Temperaturen, die warme Dusche, die guten Straßen, die saubere Luft und noch so einiges mehr besonders zu schätzen. So hat alles seinen Reiz!

Tatsächlich bekomme ich hier auch endlich mein Handy repariert…yippieh! Für sämtliche Ersatzteile setzen wir uns mit Mercedes Senger zusammen, die sich wirklich viel Zeit für uns nehmen und uns bestens ausstatten. Die Reise kann also weitergehen!

Viel zu schnell vergehen die 2,5 Wochen in der Heimat und dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen. Das Packen gestaltet sich durchaus herausfordernd bei dem, was alles so mit muss. Auch zu berücksichtigen gilt, was ins Handgepäck darf und was nicht, haben wir nun doch einiges an Ersatzteilen dabei, die beim Durchleuchten evtl. doch Fragen aufwerfen könnten. Wir sind also gespannt, was wie ankommen wird. Glücklicherweise haben wir von Amsterdam nach Panama City wieder einen Direktflug gebucht, so dass auf dem Weg schon mal nichts in einem anderen Land festhängen kann. Wir sind also optimistisch!

Am nächsten Morgen bringt uns meine Schwiegermutter schon um 6.15 Uhr vom Münsterland nach Hengelo, wo wir in den Zug steigen. Wir sind voll bepackt…jeder von uns mit über 30kg…mehr geht wirklich nicht! So sitzen wir quasi vor dem eigentlichen Abteil, da wo sonst Fahrräder oder Kinderwagen Platz finden, weil wir so unser Gepäck direkt bei uns haben können und auf keine Ablage hieven müssen (was gewichtstechnisch auch gar nicht mal so einfach ist). Jetzt also nur noch warten bis wir in Amsterdam den Flughafen Schiphol erreichen…der Zug fährt praktischerweise in einem durch…das sollte er zumindest!

Peter checkt im Handy erneut die aktuelle Verbindung…es gibt an diesem Montag Morgen nun tatsächlich Störungen zwischen Utrecht und Schiphol, so dass der Zug heute den Flughafen kurzerhand nicht anfahren kann. Ja super…also umdisponieren! Glücklicherweise haben wir einen ausreichenden Zeitpuffer eingeplant. Wir steigen also mit Sack und Pack in Amersfort aus dem Zug aus. Der ganze Bahnhof ist überfüllt, es herrscht Chaos! Wir sind anscheinend nicht die Einzigen, die an diesem Montag Morgen unterwegs sind. Dichtgedrängt, so dass es auch nicht möglich ist unser schweres Gepäck abzusetzen, stehen wir einige Zeit später in einem Zug nach Utrecht…aber immerhin, wir kommen vorwärts! Auch am Utrechter Bahnhof herrscht Chaos, weil sämtliche Züge an diesem Morgen ausfallen. Irgendwann finden wir einen anderen Zug, der uns angeblich zum Flughafen bringen soll. Ebenfalls dichtgedrängt stehen wir in diesem besagten Zug…es ist voll, voll und nochmals voll! Noch dazu ist es warm, warm und nochmals warm! Der Zug bewegt sich allerdings kein Stück. Dann irgendwann kommt die Durchsage, dass dieser Zug heute ausfällt und alle wieder aussteigen müssen. Da stehen wir nun am vollen Bahnsteig und die Zeit verrinnt. Sämtliche Züge fallen ebenfalls aus. Stattdessen ein Taxi zu nehmen ist auch keine Option, da auch die Straßen in und um Amsterdam überfüllt sind und wir womöglich dann doch nicht mehr pünktlich ankommen würden. Dann hält plötzlich ein weiterer Zug Richtung Schiphol und sofort stürmen alle Leute dorthin, in der Hoffnung, dass dieser Zug dann nicht auch noch ausfällt. Wir stehen mit unserem Gepäck in mitten des Pulks als plötzlich nichts mehr geht…der Zug ist voll und schließt die Türen. Ohne uns und viele andere Reisende verlässt er den Bahnhof. Immerhin ist es ein gutes Zeichen, dass ein Zug Richtung Flughafen überhaupt fährt. Unsere Zeit schwindet weiter…! Wenn wir den nächsten Zug bekommen und der auch fährt, könnten wir es zeitlich gerade noch schaffen…ansonsten sieht es düster aus!

Wir haben Glück! Wir erwischen tatsächlich den nächsten Zug, stehen wiederum dichtgedrängt und schweißnass im Abteil, aber immerhin, der Zug bringt uns nach Schiphol. Jetzt heißt es dort schnell das Gepäck aufzugeben und dann „husch husch“ zum Gate. Aus „husch husch“ wird allerdings erstmal nichts…die Schlange an der Gepäckaufgabe ist lang und alles dauert und dauert. Unser Zeit schwindet weiter…! Dann endlich sind wir an der Reihe und legen unsere Gepäckstücke auf die Waage…erlaubt sind dreimal 23 kg. Dazu sei gesagt, dass wir das dritte Gepäckstück am Vortag für sage uns schreibe 100 € dazugebucht haben, als sich herausstellte, dass es anders nicht funktionieren wird. Wir haben zu Hause alles fein mit einer Kofferwaage gewogen und waren zufrieden mit unserem Ergebnis. Zu früh gefreut, sage ich nur…! Die „nette“ Dame am Schalter möchte unsere Taschen so nicht entgegennehmen, zeigen sie doch zweimal 24 kg und einmal 19 kg auf…zwei Taschen seien zu schwer. Auch unser Argument, dass wir mit dem Gesamtgewicht ja unter dem Erlaubten liegen, zieht an diesem Tag leider nicht. Wir müssen tatsächlich am Schalter umpacken und ernten genervte und mitleidige Blicke von allen anderen Reisenden in der Schlange…mal abgesehen davon, dass jeder dort nun weiß, was wir so in unseren Taschen transportieren. Unsere Zeit schwindet weiter…! Irgendwie versuchen wir hektisch Sachen von A nach B zu packen, aber es passt nun mal nicht anders. Irgendwann sind die jeweils 23,5 kg dann doch in Ordnung. Man sagt uns allerdings mit einem Lächeln, wir sollten uns nun beeilen, um zum Gate zu kommen. Als erstes steht aber noch an einem anderen Schalter das Durchleuchten von uns und unserem Handgepäck an. Normalerweise bin ich ja immer eine Kandidatin, die rausgewunken und auf Sprengstoff (warum auch immer?!) überprüft wird. Dieses Mal bleibe ich diesbezüglich verschont, aber dafür wird mein Handgepäck aussortiert und näher beleuchtet…auch das noch! Die Zeit schwindet…! Als das erledigt ist, rennen wir nur noch durch den Flughafen und erreichen das Gate letztendlich fünf Minuten vor dem Boarding. Das wäre also geschafft! Jetzt hoffen wir mal, dass das Gepäck auch mitkommt!

Der Flug gestaltet sich dann sehr ruhig. So fliegen wir über den Atlantik, vorbei am Bermuda-Dreieck, überqueren die Karibik und landen nach rund 10 Stunden wieder in Panama City.

Bei der Einreise will man uns erst nicht wieder ins Land lassen, aber auch das bekommen wir geregelt. Nun aber schnell zum Gepäckband…eins, zwei, drei…alle aufgegebenen Taschen sind tatsächlich da 🙂 . Dem Gewicht nach zu urteilen, scheint auch nichts aussortiert worden zu sein 🙂 . Dann werden all unsere Taschen erneut durchleuchtet und die Dame dort bittet uns die Taschen zu öffnen, entscheidet sich dann aber einen Moment später um…wir dürfen so weiter. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren zu dem Platz, wo Sprinti wohlbehalten auf uns wartet. Wir packen die nötigsten Sachen aus (es ist tatsächlich alles mitgekommen 🙂 ), springen unter die Dusche und schlafen dann geschafft, aber happy, ein.

Wir sind zurück in Panama!